Algen – das pure Grauen

Algen sind bei vielen das pure Grauen. Egal um welche Art es sich handelt, wieviele es sind und wo sie sich angesiedelt haben, sie müssen oftmals bis auf das letzte Fitzelchen bekämpft werden.

Nicht selten heisst es beim Thema Algen, daß die Wasserwerte aber gut wären und genau das ist eigentlich das Positive an den Algen. Pflanzen nehmen diverse (Schad-)Stoffe auf und produzieren tagsüber wertvollen Sauerstoff. Algen machen das ebenso, es sind ja schließlich auch Pflanzen und ohne sie wären wohl so manche Becken schon längst gekippt, wenn sie kein (überschüssiges) Nitrat, Phosphat und dergleichen verarbeiten sowie Sauerstoff abgeben würden. Weiterhin sind Algen Lebensraum für verschiedenste Nutzbakterien und Kleinstlebewesen, sie bieten je nach Art aber auch diversem Fisch- und Garnelennachwuchs Schutz und Rückzugsmöglichkeit und sie sind eine wichtige Nahrungsgrundlage sowie eine willkommene Bereicherung des Speiseplans für viele unserer Aquarienbewohner.

Algen zu vermeiden ist fast unmöglich und uns ist bisher noch kein 100% algenfreies Aquarium untergekommen – braucht es aber auch gar nicht, denn ein Aquarium soll ja ein kleines Biotop sein, was lebt und sich mit der Zeit entwickelt. Es entstehen Algen, es siedeln sich Nutzbakterien und allgemein Keime sowie diverse Kleinstlebewesen wie Hüpferlinge, kleine nützliche Würmchen und so weiter an. Wenn dann liegt das Augenmerk darauf, ein Gleichgewicht in allen Belangen aufzubauen, damit nichts die Überhand gewinnt und das ist mit guter Planung und entsprechenden Pflegemaßnahmen verbunden.


Welche Algen gibt es?

Grob unterscheidet man zwischen Braunalgen, Grünalgen, Rotalgen und Blaualgen, wobei letztere eigentlich Bakterien sind, genauer gesagt Cyanobakterien. Insgesamt gibt es unzählige Algenarten und die alle hier aufzuzählen, würde wohl mehr oder weniger den Rahmen sprengen. Unseren Beobachtungen nach kommen im Aquarium jedoch folgende wohl am häufigsten vor:

Astalgen / Cladophora
Grünalgen
eingeschleppt durch Sporen oder Algenteile (Bruchstücke), wachsen bei fast allen Bedingungen sehr gut, wodurch die Bekämpfung schwierig wird
Kappenalgen / Fadenalgen
Grünalgen

gedeihen meist bei zu wenig CO2, Nitrat und Phosphat bzw. bei einem ungünstigen Nitrat-Phosphat-Verhältnis

Punktalgen
Grünalgen

viel Licht (hohe Lichtstärke und lange Beleuchtungszeiten), wenig CO2, wenig Phosphat

Schwebealgen
Grünalgen

Verbreitung durch Sporen, hohe Wasserbelastung durch Überdüngung, Futterreste, Ausscheidungen und dazu zu wenig oder zu selten Wasserwechsel, zu wenig Pflanzenmasse, schlecht wachsende Pflanzen

Kieselalgen
Braunalgen

treten gerne in den ersten Wochen eines neuen Aquariums auf und verschwinden dann oft von alleine wieder, ansonsten höhere Silikatwerte, zu wenig oder keine (schnellwachsenden) Pflanzen

Bartalgen
Rotalgen
wenig CO2, wenig Nitrat, Überschuß an Mikronährstoffen (Eisen etc.)
Pinselalgen
Rotalgen
wenig CO2, damit oft verbunden ein höherer pH Wert und härteres Wasser, Überschuß an Eisen, manchmal auch zu wenig Magnesium, wachsen bevorzugt im Strömungsbereich
Schmieralgen
Blaualgen
treten meist bei einer gestörten Mikroflora sowie bei einem Nährstoffungleichgewicht auf, dabei oft zuviel Phosphat und wenig Nitrat

Das jetzt mal so als groben Überblick, doch bitte nicht vergessen, daß es oft sehr viele (Unter-)Arten jener Algen gibt und die Erfahrung zeigte uns schon mehrfach, daß die Algen nicht immer identisch wachsen sowie die Ursachen nicht immer gleich sein müssen.


Wie handelt man sich Algen ein?

Algen kann man sich mit allem möglichen aus Gewässern und anderen Aquarien einhandeln. So unter anderem mit Pflanzen, Steinen und Wurzeln, mit neuen Aquarienbewohnern und man kann sie mit Kescher, Pflanzenpinzetten, Scheren und dergleichen von einem Becken ins andere verschleppen.

Dabei reicht oft schon ein kleines Fitzelchen, mit jedem Tropfen Wasser können Algensporen umziehen und ob man es glaubt oder nicht, aber Algensporen verbreiten sich sogar über die Luft.


Wie wird man Algen wieder los?

Unserer Ansicht nach tragen Algen im Aquarium eine Menge zum biologischen Gleichgewicht bei und wie oben schon angedeutet, sind viele Aquarienbewohner auch auf frische Algen bzw. frischen Algenaufwuchs angewiesen. Daher grundsätzlich alle Algen bekämpfen zu wollen, finden wir sehr kontraproduktiv. Nimmt der Algenwuchs jedoch überhand, dann bitte nicht gleich zur chemischen Keule greifen oder Algenfresser einsetzen, denn das würde die Ursache nicht beheben – sie könnte sogar verschleiert werden, was sehr nachteilig wäre, wenn der Algenwuchs zum Beispiel an zu hohen Nitrat- und Phosphatwerten liegt! Auch wird bei Algen gerne empfohlen, einfach mal einen Schwung schnellwachsender Pflanzen einzusetzen, doch auch das könnte nach hinten los gehen, wenn umgekehrt zu wenig Nährstoffe für die höheren Pflanzen vorhanden sind. So würde weitere Pflanzenmasse noch mehr Nährstoffe benötigen, die jedoch eh zu wenig vorhanden sind, mit dem möglichen Resultat, daß die Algen noch dichter werden oder gar weitere Algenarten hinzukommen.

Die Ursache zu suchen und zu beheben, wäre die Lösung!

  • Schritt 1 › Die Algen bestimmen und manuell entfernen

Als erstes wären die Algen sicher zu bestimmen, denn jede Art hat so ihre Ursache(n) und anschließend soviel Algen wie möglich manuell entfernen. An Pflanzen hartnäckig festsitzende Algen (z.B. bei Pinselalgen oder Punktalgen) einfach die befallenen Blätter abschneiden oder die Pflanzen soweit wie nötig zurückschneiden bzw. entfernen. Fadenalgen wie Kappenalgen, Faden-Jochalgen und dergleichen lassen sich mit einem rauhen Holzstäbchen, einer Flaschenbürste, Pflanzenpinzette oder ähnlichem sehr leicht aufwickeln. Punktalgen an den Scheiben gehen ganz einfach mit einem Klingenschaber weg und bei Kieselalgen reicht oft schon ein Schwamm oder Schmutzradierer. Sitzen die Algen schön zwischen Ritzen wie zum Beispiel bei Steinen, kann eine extra für das Aquarium vorgesehene Zahnbürste wertvolle Dienste leisten.

  • Schritt 2 › Das Aquarium genaustens unter die Lupe nehmen

Bei der Beleuchtung darauf achten, daß sie den Ansprüchen der Pflanzen entspricht. Viel Licht (und das betrifft auch direktes Sonnenlicht) sowie lange Beleuchtungszeiten fordern meist mehr Nährstoffe für die Pflanzen. Wenig Licht dagegen weniger Nährstoffe. Watt und Lumen zeigen an, ob die Lichtstärke ausreichend ist. Bei Röhrenlampen (T5 und T8) fährt man meist mit 0,5 bis 1,0 Watt pro Liter sehr gut. Energiesparlampen haben eine enorme Eigenabschattung, weshalb bei solchen etwas mehr Leistung in Betracht gezogen werden sollte. Bei Leds kommt man mit 20 bis 40 Lumen pro Liter schon sehr weit. Besonders anspruchsvolle Pflanzen könnten allerdings eine noch stärkere Beleuchtung benötigen. Die Kelvinzahl bezieht sich auf die Farbwiedergabe und auch die ist wichtig, da gewisse Farbanteile eher den Algen zugute kommen und da liegt man im Süßwasserbereich zwischen 4000 und 8000k sehr gut (je niedriger die Zahl, desto wärmer / gelblicher wirkt das Licht und je höher, desto kälter / bläulicher). Röhrenlampen verlieren mit der Zeit immer mehr an Leistung, so daß gegebenenfalls ein Röhrentausch angebracht wäre. Vollspektrumröhren sind den Zwei- und Dreibandenröhren deutlich überlegen, da sie das ganze Spektrum des Sonnenlichts wiedergeben.

Bis sich Pflanzen in einem neuen Aquarium eingewöhnt haben, um Nährstoffe verarbeiten und wachsen zu können, sind in den ersten zwei Wochen kürzere Beleuchtungszeiten von etwa 6 bis 8 Stunden täglich empfehlenswert – danach langsam auf 10 bis 12 Stunden erhöhen. Beleuchtungspausen (sogenannte Mittagspausen) sind umstritten, doch vorallem wenn kein gesondertes CO2 zugeführt wird, sind sie von 3 bis 4 Stunden gar nicht so verkehrt, da Pflanzen bei Licht Sauerstoff produzieren und CO2 aufnehmen. Nachts bzw. im dunklen ist es umgekehrt, wodurch ein wenig mehr CO2 den Pflanzen zur nächsten Beleuchtungszeit zur Verfügung steht.

Filtervolumen und Pumpenleistung sollten zum Aquarium sowie zum Besatz passen. Plätschert das Wasser sehr stark, könnte wichtiges CO2 ausgetrieben werden und manche Algen wie zum Beispiel Pinselalgen gedeihen gerade im Strömungsbereich hervorragend. Wurde auf eine Langsamfilterung gesetzt oder sind die Filtermedien stark verschlammt, funktioniert die Nitrifikation nicht (mehr) richtig und es siedeln sich statt der aeroben Nutzbakterien immer mehr anaerobe an, welche unter anderem Nitrat abbauen, so daß dieser Nährstoff den Pflanzen womöglich nicht mehr zur Verfügung steht. Weiterhin können diverse Filtermedien vereinzelte oder gar alle Nährstoffe absorbieren, die dann ebenfalls den Pflanzen fehlen.

Gerade in gut bepflanzten Aquarien ist eine CO2 Anlage immer eine Empfehlung, da dies ein wichtiger Nährstoff für die Pflanzen ist – sie bestehen ja zum Großteil aus Kohlenstoff. Ist weitere Technik installiert, wäre abzuklären, ob sie sich störend auf einen gesunden Pflanzenwuchs auswirkt, durch Sprudelsteine kann wichtiges CO2 ausgetrieben werden und so weiter.

Eine bunte Mischung aus schnell- und langsamwachsenden Pflanzen ist immer eine gute Wahl, dabei darf auch gerne der Großteil der Bodenfläche bepflanzt sein, denn sie sind einfach die Konkurrenz zu Algen. Alle Pflanzen sollten jedoch den Ansprüchen entsprechend ausreichend Licht bekommen – ein stark zugewuchertes Aquarium, vorallem mit einer geschlossenen Schwimmpflanzendecke könnte das Wachstum der darunterliegenden behindern. Bei der weiteren Einrichtung wäre darauf zu achten, daß besonders in Verbindung mit einer CO2 Anlage das Wasser nicht oder nur kaum aufgehärtet wird (z.B. bei kalkhaltigem Gestein, Korallenbruch usw.) und billig verarbeitete künstliche Deko macht mit der Zeit oftmals Probleme, wobei Nitrat- und Phosphatanstiege nicht ungewöhnlich sind.

Viele Aquarienbewohner haben einen guten Stoffwechsel, wodurch sie das Wasser mit ihren Ausscheidungen durchaus gut belasten können. Das gleiche gilt, bei einem stark überbesetztem Aquarium. Manche Fische und Wirbellose dagegen haben Pflanzen zum fressen gern, so daß Algen leichteres Spiel haben. Minderwertiges Futter, dazu noch viele Futterreste belasten das Wasser enorm. Eine moderate Fütterung mit qualitativ hochwertigem Futter hilft somit auch gegen unerwünschte Algen.

Mit Wasserwechsel wird nicht nur die Keimdichte gesenkt, sondern man trägt damit auch überschüssige Nährstoffe sowie Schadstoffe aus, entfernt Algensporen im Wasser und führt verbrauchte Mineralien und Spurenelemente durch das Frischwasser zu. Werden Wasserwechsel vernachlässigt oder grundsätzlich immer nur sehr kleine Mengen gewechselt, so könnten sich diverse Stoffe ansammeln, welche den Algen zugute kommen können.

Je nach Art der weiteren Pflegemaßnahmen und Wasserzusätze könnten womöglich die nützlichen nitrifizierenden und denitrifizierenden Bakterien gestört werden, es könnten wichtige Pflanzennährstoffe gebunden werden und so weiter. Ob etwas dem Algenwuchs entgegenkommt, wäre im jeweiligen Fall zu beurteilen.

Treten Algen abrupt auf, könnten die letzten Änderungen am und im Aquarium durchaus interessant sein. So zum Beispiel ist ein vorübergehender Algenwuchs nach einem Lampenwechsel nicht ungewöhnlich oder nach Medikamentengaben. Wird ein guter Teil der Pflanzen durch neue ersetzt, so müssen sich die neuen auch erstmal wieder eingewöhnen.

  • Schritt 3 › Wasserwerte messen und Nährstoffbedarf ermitteln

Eine ausgewogene Versorgung der Pflanzen mit Mikro- und Makronährstoffen ist sehr wichtig, damit sie gesund und kräftig wachsen können. Entsprechend kann es aber auch mal zuviel oder zuwenig sein bzw. es fehlt ein Nährstoff gänzlich oder es stellt sich ein ungünstiges Nährstoffverhältnis ein.

Zu testen wären daher folgende Wasserwerte wie sie aus der Leitung kommen, falls nicht mit Ionenaustauscher, Osmosewasser oder vergleichbarem gearbeitet wird und natürlich auch die Werte, wie sie aktuell im Aquarium sind:

  • Karbonathärte (KH)
  • Säuregehalt (pH)
  • Eisen (Fe)
  • Nitrit (NO2)
  • Nitrat (NO3)
  • Phosphat (PO4)
  • Kohlendioxid (CO2)

Die Wasserwerte aus der Leitung sind in dem Bezug wichtig, falls hier bereits eine Belastung unter anderem von Nitrat vorliegt. In so einem Fall würde es nicht viel bringen, den eventuell zu hohen Wert mit Wasserwechsel senken zu wollen.

Mit der Karbonathärte und dem pH Wert lässt sich der CO2 Gehalt bestimmen, wie anhand der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen, doch funktioniert dies zum Beispiel nicht bei der Verwendung von aktivem Bodengrund (Soil). Daher empfehlen wir besonders Anfängern oder auch wenn Algenprobleme vorliegen, einen CO2 Dauer- oder Schnelltest zu verwenden.

Den Nitritwert und gerne auch Ammonium / Ammoniak (NH4/NH3) zu testen empfehlen wir vorallem dann, wenn hohe Nitratwerte vorliegen, um zu sehen ob die Nitrifikation gestört ist – also der Abbau von Ammonium / Ammoniak zu Nitrit und dieses zu Nitrat durch verschiedene aerobe (sauerstoffliebende) Nutzbakterien. Nicht daß sich hier irgendwas anstaut.

In vereinzelten Fällen wären weitere Wassertests gut, wie unter anderem Silikat bei Kieselalgen.

Gibt es wie unter Schritt 2 beschrieben, etwas zu verbessern, dann widmen wir uns diesem / diesen Punkt(en). Immer eins nach dem anderen, nicht alles auf einmal. Währenddessen versuchen wir den Nährstoffbedarf der Pflanzen zu ermitteln und dazu machen wir einen großen Wasserwechsel von gut und gern 80-90%, natürlich mit an das Aquarium in pH Wert, Wasserhärte und Temperatur angepasstem Wasser. Danach werden nochmals die Wasserwerte im Becken gemessen und rechnen die auf den Düngern angegebene wöchentliche Dosierung auf täglich herunter (z.B. 10 ml auf 100 Liter wöchentlich = 1,43 ml auf 100 Liter täglich). Mit dieser düngen wir auf die gewünschten Werte mit Mikronährstoffen (Eisenvolldünger) sowie wenn nötig auch mit Makronährstoffen (Nitrat, Phosphat, Kalium) auf etwa folgende Werte auf: Eisen (Fe) 0,05-0,1 mg/l | Nitrat 10-15 mg/l | Phosphat 0,5-1,0 mg/l. Beim Einsatz einer CO2 Anlage ist der Gehalt von etwa 15-25 mg/l empfehlenswert, wobei da auch die Ansprüche der Bewohner zu berücksichtigen sind, denn damit verbunden sinkt auch mehr oder weniger der Säuregehalt des Wassers.

Am nächsten Tag messen wir die Wasserwerte erneut und können mit den Werten vom Vortag den Verbrauch der Nährstoffe ermitteln. Sicherlich ist das am Anfang mit viel messen verbunden und es braucht einiges an Geduld, doch das lohnt sich wirklich, um nicht zu wenig oder gar zuviel zu düngen. Ganz nach dem Bedarf der Pflanzen düngen wir weiter und mit der Zeit entwickelt man auch ein gutes Gefühl, wodurch messen weniger häufig nötig wird. Zu beachten wäre noch, daß mit jedem Rückschnitt der Pflanzen oder auch mit einsetzen weiterer, vorallem schnellwachsenen Arten sich der Nährstoffbedarf (vorübergehend) etwas verringern oder erhöhen kann. Die tägliche Düngung kann man dabei gerne so beibehalten, denn so entstehen weniger Nährstoffspitzen als wenn man auf Stoß düngt.

Für viele Aquarienpflanzen reichen Flüssigdünger, welche über die sogenannte Wassersäule, also direkt in das Wasser gegeben werden. Für wurzelzehrende Pflanzen, wie Cryptocoryne, Echinodorus, Nymphaea und dergleichen, wären dagegen Düngekugeln, Tabs oder Sticks perfekt, welche in der Nähe des Wurzelballens in den Bodengrund gedrückt werden. Dazu gibt es im Fachhandel welche mit und welche ohne NPK (Nitrat, Phosphat, Kalium) Zusatz, so daß man auch diese Pflanzen ganz nach Bedarf versorgen kann. Sind sehr viele Wurzelzehrer geplant, so könnte auch ein guter Nährboden unter dem eigentlichen Bodengrund bei der Neueinrichtung eines Aquariums überlegenswert sein.

Sind auf das Aquarium die Filterung, Einrichtung, Besatzart und Besatzdichte, Futterart sowie dazu die Qualität und Menge des Futters abgestimmt, passen die Beleuchtung, Düngung und Wasserwerte zu den Ansprüchen der Pflanzen und Bewohner, werden Wasserwechsel nicht vernachlässigt, wachsen die Pflanzen gut (dabei auch immer auf eine gute Pflanzemasse inklusive einiger schnellwachsender Arten achten), gibt es wenig Futterreste, abgestorbene Pflanzenteile und keine Gammelstellen, so haben Algen kaum eine Chance überhand zu nehmen. Kurz gesagt, ist alles im Gleichgewicht, hält sich der Algenwuchs in Grenzen.


Wie sieht es mit Algenmittel, sogenanntem „flüssigen CO2 Dünger“, Spezialfiltermedien und Algenfresser aus?

Algenmittel sollten unserer Ansicht nach nicht gleich zur Hand genommen werden, denn wie oben schon erwähnt, beseitigen sie nicht die Ursache und die Algen könnten nach der Kur wieder kommen. Manchmal wirken sie auch gar nicht so wie sie beworben werden, was aber auch daran liegen kann, daß die Algenbestimmung nicht 100% sicher erfolgte. Weiterhin ist nicht jedes Produkt für jede Pflanzen- und Tierart geeignet, so daß es schon während der Behandlung zu Ausfällen kommen kann und auch Spätfolgen sind nicht unbedingt vorhersehbar. Dies betrifft vorallem auf Kupfer basierende Mittel bei Besatz mit Wirbellosen wie Garnelen, Krebse und Schnecken oder auch mit Schmerlen und Welsen.

Je nachdem wie schlimm der Algenbefall ist und auch, ob sich größere Algenmassen an eher unzugänglichen Stellen befinden, so können Antialgenmittel gegebenenfalls unterstützend zur manuellen Entfernung und während der Ursachenbehebung ganz nützlich sein. Doch bitte unbedingt immer alle Angaben des Herstellers beachten, um zu beurteilen, ob das Mittel am eigenen Aquarium eingesetzt werden kann. Auf keinem Fall überdosieren und sollte etwas am Besatz auffällig sein, so die Behandlung sofort abbrechen und einen oder wenn nötig mehrere große Wasserwechsel mit angepasstem Frischwasser durchführen! Ein guter Wasseraufbereiter, welcher Kupfer und weitere Schwermetalle binden kann, dosiert auf das gesamte Aquariumvolumen, wäre dazu sehr empfehlenswert.

Im Handel sind neben Antialgenmittel noch sogenannte „flüssige CO2 Dünger“ erhältlich. Diese können laut diversen Beschreibungen mit oder ohne CO2 Anlage eingesetzt werden und sollen die Pflanzen mit wichtigem Kohlenstoff versorgen. Dazu sei als erstes vermerkt, daß CO2 bei üblicher Raumtemperatur nicht flüssig ist!

Viele dieser Produkte weisen den Stoff Glutaraldehyd auf, ein sehr starkes Desinfektionsmittel, welches bei Kontakt mit Wasser reagiert. Wir persönlich sind ehrlich gesagt, kein Freund von Glutaraldehyd und werden es auch nicht weiterempfehlen. Das liegt daran, daß wir damit leider sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Nicht nur beim Menschen kann das zu Unwohlsein beim einatmen oder bei Hautkontakt führen, sondern kann sogar Fisch und Co. im Aquarium enormen Schaden zufügen! Gelangt während der Dosierung ein Tierchen in den unmittelbaren Nebel, so kann es qualvoll verenden und glaube uns, das ist ein Anblick, den man nicht mehr vergisst. Dazu vertragen nicht alle Pflanzen und Moose dieses Mittel, es kann zu Wachstumsblockaden bei den Pflanzen kommen und es zehrt unwahrscheinlich viel Sauerstoff, vorallem bei höheren Dosierungen, wie sie gerade gegen Algen gerne verwendet werden. Lieber verwenden wir eine CO2 Anlage, mit der wir den Pflanzen besseres tun und müssen täglich nicht noch mehr in das Becken kippen. Interessant dazu finden wir im übrigen diesen Bericht › JBL.de | Das Märchen von der flüssigen CO2 Düngung.

Spezialfiltermedien wie Nitrat- und Phosphatentferner können durchaus Sinn machen, wenn man mit hohen Schadstoffwerten kämpft, die sich nicht durch weitere schnellwachsende Pflanzen beheben lassen und das Wasser bereits belastet aus der Leitung kommt. Aber auch in recht pflanzenlosen Aquarien wie Malawi- und Tanganjikasee-Becken werden solche gerne eingesetzt. Unbedingt darauf achten, daß die Pflanzen, wenn vorhanden, noch genügend Nährstoffe aufnehmen können. Wer die Möglichkeit hat, das Wasser außerhalb des Beckens zum Beispiel mit einer Osmoseanlage aufzubereiten, fährt hier eventuell sogar besser, da im Aquarium verabreichte Dünger dann nicht absorbiert werden können.

Als Algenfresser werden so manche Aquarienbewohner angepriesen, doch nicht alle nehmen wirklich Algen auf oder zumindest nicht alle Algenarten, manche fressen sie nur wenn sie entsprechend ausgehungert sind und andere widerum oft nur im Jugendalter. Ob man nun Funktionstiere einsetzen möchte, muß jeder für sich entscheiden, doch bedenke, daß sie nicht die Ursache beseitigen und sie insgesamt zum Aquarium, der Einrichtung, den Wasserwerten und auch zum weiteren Besatz passen sollten, damit man lange viel Freude an und mit ihnen haben kann. Ebenso erkundige Dich vorab sehr gut, denn es gibt viele Algen- und Aufwuchsfresser, welche auf entsprechende Beläge angewiesen sind und sonst kein Fertigfutter annehmen – also was ist, wenn später nicht mehr genug Nahrung für sie vorhanden ist und zudem verschmähen einige auch die höheren Pflanzen nicht.


Welche Probleme können Algen mit sich bringen?

Hält sich der Algenwuchs, egal welcher Arten in Grenzen oder sind es nur etwas zuviel, so besteht in der Regel kein Grund zur Sorge. Sie verarbeiten wie die höheren Pflanzen auch diverse (Schad-)Stoffe und produzieren tagsüber wertvollen Sauerstoff.

Ist der Algenbefall jedoch sehr stark, dann kann es wie bei einer extrem dichten Bepflanzung und / oder hohen Besatzdichte Nachts zu Sauerstoffmangel kommen, denn dann produzieren Algen sowie Pflanzen CO2 und verbrauchen selbst Sauerstoff. Wird vor und während der Ursachenbehebung nicht ausreichend Algenmasse entfernt, kann das ebenfalls nachteilig sein, denn die absterbende Algenmasse zehrt viel Sauerstoff. Hier wäre eine gute Bewegung der Wasseroberfläche durch den Filterauslauf empfehlenswert und Nachts zusätzlich gerne eine Membranpumpe mit Ausströmerstein.

Hat sich auf der Wasseroberfläche eine Kahmhaut gebildet, welche nicht nur aus Bakterien, sondern auch aus Grünalgen bestehen kann, blockiert das den Gasaustausch. Eine manuelle Entfernung wäre hier ratsam. Dazu kann man ein Küchentuch auf die Wasserfläche legen und es seitlich vorsichtig abziehen, so daß der Belag damit entfernt wird. Effektiver ist jedoch ein Oberflächenskimmer, den es fertig im Fachhandel zu kaufen gibt oder man baut sich mit ein paar Handgriffen einfach einen selbst › DIY Skimmer. Dazu unbedingt auch hier die Ursache finden und beheben! Zusätzlich kann die Wasseroberfläche stärker bewegt sowie mit einem Ausströmerstein belüftet werden, bevor es mit dem Sauerstoff eng wird.

Wird der CO2 Gehalt im Wasser knapp, dann können Algen sich das CO2 aus Karbonathärte holen (biogene Entkalkung). Die Karbonathärte ist allerdings der Puffer für den pH Wert, damit dieser stabil bleibt und keinen größeren Schwankungen unterliegt. Sinkt durch die biogene Entkalkung die Karbonathärte auf unter 3°dKH, kann der pH über Nacht leicht mal auf unter 5 fallen und tagsüber auf 9 bis 10 ansteigen. Das wäre natürlich sehr fatal für den Besatz. Eine leichte Erhöhung der Karbonathärte und CO2 Zufuhr wenn möglich, sowie die Entfernung der meisten Algen wären in dem Fall die ersten Maßnahmen. Aktiver Bodengrund (Soil) stabilisiert den pH Wert selbst bei niedriger Karbonathärte. Ist der Soil allerdings ausgelaugt, so ist auch dieser „Schutz“ weg und es könnte eine Erneuerung des Bodengrunds empfehlenswert sein.

Damit solche Probleme auftreten, muß der Algenwuchs wirklich immens sein und selbst wenn, dann muß sowas aber auch nicht unbedingt vorkommen. Also erstmal tief durchatmen und sich seinem Algenproblem in Ruhe widmen, den Besatz gut im Auge behalten und lieber effektiv das Ganze angehen, als daß durch Hektik Fehler passieren oder irgendetwas wichtiges übersehen wird.


Interessantes zu Mooskugeln

Mooskugeln oder auch als Marimobälle bekannt, werden gerne in Aquarien eingesetzt, denn sie sehen in ihrer runden Form einfach skurril aus, bilden mit ihrer dunkelgrünen Farbe einen schönen Kontrast zu vielen anderen Pflanzen und Garnelen sowie viele Fische weiden sie gerne ab. Dazu sind sie pflegeleicht, haben keine großen Ansprüche und filtern sogar das Wasser ein wenig. Ab und an unter fließendem Wasser ausdrücken, manchmal etwas drehen und das war es dann schon an Pflegemaßnahmen für sie.

Aber wusstest Du, daß das garkein Moos ist, sondern eine Alge?

Bei diesen Mooskugeln handelt es sich um Aegagropila linnaei – früher unter der Bezeichnung Cladophora aegagrophila und sind nahverwandt mit den ach so unbeliebten Astalgen Cladophora sp. Komisch oder, daß soviele über Algen schimpfen, sich dann aber sogar welche kaufen und im Aquarium einsetzen…

Manchmal wird berichtet, daß Mooskugeln ausstreuen können, also daß irgendwo im Aquarium weitere grüne Algenbüschel aufkommen oder sogar aus den Kugeln selbst lange Fäden wachsen. Wir sind uns da ehrlich gesagt nicht sicher, ob dem wirklich immer so ist oder ob es einfach weitere Algen sind, welche von dem doch sehr langsamen Wachstum der Mooskugeln profitieren.


Zusammenfassend

Algen können sehr nützlich sein, sie können durchaus auch hübsch anzusehen sein und sie sind für viele Kleinstlebewesen, Nutzbakterien und Aquarienbewohner oftmals unverzichtbar. Sie gehören in gewissem Maße auch einfach dazu. Regelrechte Vernichtungsfeldzüge gegen diese als „Unkraut“ verrufenen niederen Pflanzen sind meist darauf zurückzuführen, daß sie nicht dem eigenen ästhetischem Empfinden entsprechen.

Wenn es heißt, die Wasserwerte wären gut, so liegt das oft daran, daß die Algen bereits schlimmeres verhindert haben und nur selten werden alle dazu wichtigen Wasserwerte gemessen. Leider ist der unerwünschte Algenwuchs aber auch genau der Grund, warum soviele dieses wunderbare Hobby über kurz oder lang an den Nagel hängen. Das ist schade, denn man kann wirklich einiges dafür tun, um ein algenarmes Aquarium zu haben. Wie oben ausführlich geschrieben, sollte alles aufeinander abgestimmt sein – von der Aquariengröße, über die Technik bis hin zur Einrichtung, der Besatzauswahl und den Pflegemaßnahmen wie Wasserwechsel, Düngung und dergleichen.

Geht man langsam vor, immer eins nach dem anderen und pendelt sich alles ein, entfernt man die neu aufkommenden Algen umgehend, wachsen die Pflanzen durch eine ausgewogene Nährstoffversorgung kräftig heran, dann wird der Algenwuchs mit der Zeit weniger und der Arbeitsaufwand minimiert sich. Geduld ist hier auf jedenfall eine Tugend!

Ansonsten ja… versuche Dich einfach mit ein paar Algen zu arrangieren, beobachte sie und lerne von ihnen – vielleicht findest Du dann auch ein wenig mehr Gefallen an ihnen.

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