Nanoaquarium › Nanofische

Nanoaquarium · NanofischeIn Aquaristikcommunites taucht regelmäßig die Frage nach geeigneten Fischen für Nanoaquarien auf, was gar nicht so selten in einer mehr oder weniger hitzigen Diskussion oder gar in größeren Streitereien endet.

Leider wird dabei oft nicht erklärt, warum was geht oder eben nicht geht oder worauf man unbedingt achten sollte, dafür kommen aber letztendlich dann gerne Argumente wie:

„Nanofische sind perfekt für Nanoaquarien, weil sie eben sehr klein sind, die brauchen nicht viel Platz.“
„Der Händler hat mir Nanofische für mein Nanoaquarium empfohlen und der muß es doch wissen.“
„Dann dürften ja keine Nanoaquarien verkauft werden, wenn man darin keine Fische halten kann.“

Die Gegenseite argumentiert dagegen oft sehr energisch beispielsweise mit:

„Setz doch deinen gesunden Menschenverstand ein, dann kapierst du, daß da keine Fische rein gehören!“ 

oder noch schlimmer

„Wie blöd bist du eigentlich, du Tierquäler!“

Wir finden es sehr schade, wenn solche Beiträge so dermaßen aus dem Ruder laufen, denn eigentlich ist das ja ein sehr interessantes Thema und gerade Anfänger können dabei doch eine Menge über Fische und deren Verhalten lernen. Aus diesem Grund schreiben wir nachfolgend ein paar Worte zu Nanoaquarien und Nanofische – von unseren Beobachtungen und unseren Erfahrungen.


Faustformel 1 cm Fisch auf 1 bis 2 Liter Wasser

Früher wurde als Anhaltspunkt für den Fischbesatz die Regel 1 cm Fisch auf 1 oder 2 Liter Wasser verbreitet. Inzwischen weiß man es eigentlich besser, denn diese Regel beachtet zum einen nicht, daß man im Handel oft sehr junge Fische bekommt, welche noch heranwachsen werden und zum anderen schließt sie nicht das Verhalten der Fische ein – also ob sie eher gemütliche oder sehr agile (Langstrecken-)Schwimmer sind, ob sie kleinere bis größere Reviere besetzen und auch nicht wie sie sich mit Artgenossen und anderen Mitbewohnern arrangieren (können).

Ein sehr übertriebenes Beispiel wäre, daß man nach dieser Regel zum Beispiel einen Schilderwels der Gattung Glyptoperichthys, welcher je nach genauer Art eine Größe von gut und gern 30 bis 60 cm erreichen kann, in ein 60 cm = 54 Liter Aquarium setzen könnte. Würde aber keiner machen, denn der Wels könnte sich darin ja überhaupt nicht bewegen und kein erfülltes Leben führen.

Ein dazu passender Mythos wäre noch, die Fische würden sich der Aquariengröße anpassen. Das stimmt allerdings so überhaupt nicht! Unter Umständen wachsen die Fische vielleicht ein wenig langsamer, wobei dann aber auch noch weitere Faktoren wie Futterangebot (Menge, Art und Qualität) sowie auch die Wasserwerte, Temperatur und Keimdichte etc. zu beachten wären. Stichwort: Kümmerwuchs. Das Resultat wäre, daß der Fisch durch ungeeignete Pflege sowie durch den entstehenden Streß krank wird und letztendlich frühzeitig ablebt und das möchte doch keiner, oder?

Ähnlich sehen wir es bei den Nanofischen…


Die Definition von Nano

Das Wort Nano vom griechischen nãnos bzw. vom lateinischen nanus bedeutet soviel wie Zwerg.

So gesehen ist also ein Nanoaquarium ein kleines Aquarium. Eine feste Richtlinie was das Volumen betrifft, gibt es dazu zwar nicht, jedoch wird im Süßwasserbereich meist von etwa 10 bis 60 Liter gesprochen. Das Gegenteil von Nanoaquarium wäre umgangssprachlich „Showtank“ = ein sehr großes Aquarium ab etwa 2000 Liter.

Nanoaquarium · Nanofische

Tetra AquaArt LED 30L, Volumen etwa 30 Liter bei ca. 35 cm Kantenlänge


Bei den Nanofischen verhält es sich ebenso, denn dieses Wort bezeichnet eine Fischart, welche im adulten (erwachsenem) Alter mit etwa 1 bis 4 cm doch sehr klein und zierlich bleibt.

Boraras brigittae · Moskitobärbling

Boraras brigittae · Moskitobärbling mit etwa 2,2 cm Länge


Nimmt man es nun mit der Definition genau, so hat ein Nanofisch nicht zwangsläufig etwas mit einem Nanoaquarium zu tun oder besser gesagt, heißt das noch lange nicht, daß solch winzige Fische für kleine Aquarien gedacht bzw. geeignet sind.

Wir sind aufgrund unserer Beobachtungen und Erfahrungen der Meinung, daß auch kleine Fische durchaus viel Platz brauchen können. So würden wir entgegen vieler Beschreibungen den Moskitobärbling (Boraras brigittae), den Feuertetra (Hyphessobrycon amandae), den blauen Neon (Paracheirodon simulans) und andere ähnliche Arten nicht mehr unter 54 Liter (60x30x30 cm) Aquarien pflegen, besser sogar mehr, denn es sind wirklich sehr flinke und verspielte kleine Fische, die in größeren Trupps auch erst so richtig schön ihr tolles Verhalten zeigen.

Eine kleine Geschichte dazu haben wir hier bereits zusammengeschrieben und wir empfehlen auch immer gerne das Video zum 300 Liter Green&Grey Aquarium mit knapp 100 Feuertetras von Pedro Rosa. Ist doch einfach klasse wie die Zwerge in einer großen Truppe durch das große Becken ziehen – keine Blässe, keine Spur von nervösem Scheibenschwimmen, Schreckhaftigkeit oder doof in der Gegend herumstehendes Verhalten…

Für die etwas größeren Nanofische so ab etwa 3,5 cm Länge,  wie zum Beispiel für Panda-Panzerwelse (Corydoras panda), Glühlichtsalmler (Hemigrammus erythrozonus) oder Rote Neon (Paracheirodon axelrodi) empfehlen wir aus den gleichen Gründen Aquarien sogar erst ab 112 Liter (80x35x40 cm) aufwärts.

Roter Neon · Paracheirodon axelrodi mit etwa 4 cm Länge

Roter Neon · Paracheirodon axelrodi mit etwa 4 cm Länge


Gibt es aber Fische, welche für Nanoaquarien geeignet sind?

Auch hier können wir nur von unseren Beobachtungen und Erfahrungen schreiben und die heißt ja, es gibt durchaus Fische für kleine Aquarien.

Da wäre unter anderem der Kampffisch Betta splendens, welcher ein absoluter Einzelgänger ist und nur zur Paarungszeit mit seinesgleichen zusammen kommt. Die Männchen sind zudem untereinander sehr aggressiv und kämpfen meist solange bis der Schwächere erlegen ist.

Diese Kampffische sind weiterhin nicht besonders schwimmfreudig, vorallem auch keine Langstreckenschwimmer und sie sind sehr standorttreu, wo sie die meiste Zeit des Tages damit beschäftigt sind, ihr kleines Revier abzustecken. Für diese Fische sehen wir demnach kleine Aquarien auf jedenfall besser geeignet als größere Becken und empfehlen sie je nach Zuchtform für 25-54 Liter, wobei wir dabei auch eher zu Rechteckaquarien greifen, da die sogenannten Cubes bei gleichem Volumen eine geringere Grundfläche aufweisen.

Aber auch sonst gibt es durchaus noch weitere Fischarten wie unter anderem Teddy-Kärpflinge (Neoheterandria elegans), Prachtguramis (Parosphomenus sp.) sowie die ein oder andere Prachtkärpflingsart und ähnliche, welche sich aufgrund ihrer Größe, der angemessenen Gruppenstärke und ihres Verhaltens für kleinere Aquarien (besser) eignen, wobei wir aber selbst dann nicht unter 25-35 Liter gehen und ebenfalls Rechteckaquarien den Würfelbecken vorziehen.

✎ Zu bedenken wäre jedoch, daß gerade solche Arten nicht immer für Anfänger geeignet sind, da sie oftmals empfindlicher bzw. sensibler sind und größere Ansprüche an die Einirichtung, Wasserwerte, Wasserbeschaffenheit und Ernährung haben und natürlich nicht zu verachten, daß Fische einen deutlich größeren Stoffwechsel als Garnelen und Co. besitzen, wodurch das Wasser mit Ausscheidungen stärker belastet wird. Hat man kein geübtes Auge, kann es passieren, daß Streß- und erste Krankheitsanzeichen zu spät bemerkt werden.

Wie sieht es mit dem Tierschutzgesetz aus?

Im Deutschen Tierschutzgesetz sieht es bis dato (März 2016) wie folgt aus…

Erster Abschnitt „Grundsatz“ § 1

Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Zweiter Abschnitt „Tierhaltung“ § 2

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Eine Angabe, wonach Fische unter 54 Liter verboten wären, gibt es jedoch in dem Sinne nicht. Dafür wird auf das Tierschutzgutachten und den Leitlinien des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) verwiesen, welche du unter Haltung von Zierfischen (Süßwasser) sowie unter Mindestanforderung an die Haltung von Zierfischen (Süßwasser) nachlesen kannst.

Im Österreichischen Tierschutzgesetz dagegen steht deutlich geschrieben:

Eine dauerhafte Haltung auch kleiner Arten in Aquarien unter 54 Liter ist verboten.

wonach sich hier die Frage nach Fischen in Aquarien unter 54 Liter somit eh erledigt hat.


Was kann man dann mit gutem Gewissen in Nanoaquarien pflegen?

Neben der ein oder anderen Fischart eignen sich vorallem Zwerggarnelen sehr gut für kleine Becken sowie auch viele Schneckenarten, welche durchaus nicht langweilig sind – ganz im Gegenteil, denn auch sie haben ihren Charme, sind interessant zu beobachten und es gibt sehr viele Arten und Farbformen, so daß sicherlich jeder etwas passendes finden dürfte.

Rote Sakura Garnele · Neocaridina davidi red sakura, etwa 3 cm groß

Rote Sakura Garnele · Neocaridina davidi red sakura, etwa 3 cm groß


Neben Garnelen und Schnecken gibt es aber noch mehr und da wären manche Zwergflußkrebse, wie unter anderem der Cambarellus diminutus oder Cambarellus schmitti für Aquarien ab 25 Liter sowie Microkrabben (Limnopilos naiyanetri) sogar schon ab 10 Liter, zu erwähnen.

Cambarellus schmitti Zwergflußkrebs, knapp 3 cm klein

Cambarellus schmitti Zwergflußkrebs, knapp 3 cm klein


Fazit

Nanofische und Nanoaquarien haben nicht immer etwas gemein, denn das „Nano“ bezeichnet kleine Fische und kleine Aquarien. Bis auf sehr wenige Arten empfehlen wir Fische erst für Aquarien ab 54 Liter 60x30x30 cm aufwärts.

Natürlich muß jeder für sich entscheiden, was er verantworten kann und was nicht. Wir raten aber sich auf jedenfall nicht nur mit der zu erwartenden Größe der Fische zu beschäftigen, sondern auch mit ihrem Verhalten – also ob sie mehr standorttreu sind oder gerne und viel schwimmen, ob sie eher Einzelgänger sind bzw. in kleinen Gruppen am besten zurecht kommen oder ob für sie ein größerer Trupp empfehlenswerter ist, welcher dementsprechend Platz benötigt und natürlich auch in wie weit man sie allgemein vergesellschaften kann oder sogar sollte, denn es gibt Fischarten, die tauen erst mit mutigen Mitbewohnern so richtig auf, ansonsten leben sie überwiegend zurückgezogen, da sie davon ausgehen, es droht Gefahr, wenn keine im Freiwasser schwimmenden Fische anwesend sind.

Behilflich dabei ist auch Beschreibungen und Aufnahmen der jeweiligen Naturhabitate zu studieren, um zu sehen wie die Tiere dort so leben. Natürlich wie immer nicht zu vergessen die Ansprüche an Wasserwerte, Temperatur, Ernährung und die Einrichtung in Form von Bepflanzung, freiem Schwimmraum, Deckung und Rückzugsmöglichkeiten sowie Struktur und Reviergrenzen.

Und denke bitte daran, was bei Dir gut funktioniert, mit dem du und deine Schützlinge gut klar kommen, muß bei anderen nicht auch so sein, zumal viele mit gewissen Sachen einfach unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, manche etwas ganz anders beobachten und interpretieren und vorallem Anfänger schnell mal überfordert sind, wodurch nicht selten diese wunderbare Wasserwelt an den Nagel gehängt wird.

Danke