Hydren · Süßwasserpolypen

HydraKleine Wesen die viele wie eine Art Stängel mit mehreren Tentakeln oder wie eine Art Schirm beschreiben, entpuppen sich oftmals als Hydren – also Süßwasserpolypen. Meist tauchen sie auf einmal auf, hängen an den Scheiben, auf Deko sowie Pflanzen und manchmal sogar an Schnecken oder anderen Aquarienbewohnern. Viele Geschichten – zum Teil regelrechte Schauermärchen gibt es über Süßwasserpolypen und dabei sind sie eigentlich sehr faszinierend.

Es gibt sehr viele Arten von Hydren und die Unterscheidung ist meist sehr schwierig, doch in unseren Aquarien sind grüne Exemplare (Hydra viridissima), welche in Symbiose mit Algen leben und die weißen als „gemeine Süßwasserpolypen“ bekannten Hydra vulgaris wahrscheinlich am meisten vertreten. Schnell handelt man sie sich ein – sei es über Tümpelfutter, mit Pflanzen, Tieren und mit Dekomaterialien aus der Natur oder aus anderen Aquarien oder so wie wir mit Frostfutter. Finden sie genügend Nahrung, so vermehren sie sich sehr rasant und können richtig große Kolonien bilden.


Doch was tun?

In vielen Fällen braucht man nichts gegen sie unternehmen, da sie oftmals von alleine so schnell wieder verschwinden wie sie auftauchten, doch manchmal können sie sich auch sehr hartnäckig halten. Auf jedenfall sollte man nicht die Möglichkeit ausschließen, daß sie kleine Aquarienbewohner wie noch ganz kleinen Garnelennachwuchs, Fischbrut und dergleichen erbeuten bzw. ihnen schaden. Daher können Hydren besonders in Zuchtaquarien durchaus zum Problem werden, vorallem wenn sie auch noch in Massen auftreten. Da Hydren zu den Nesseltieren zählen, besitzen sie auch ein Nesselgift, welches für ihre Jagd sehr wichtig ist, indem sie damit ihre Beute betäuben oder gar gleich töten.

Aber egal wie, es ist auf jedenfall kein Grund zur Panik, denn selbst wenn sie nicht von alleine wieder verschwinden, kann man einiges tun, damit sich die Population deutlich verringert oder gar komplett verschwindet. Da im Normalfall aber doch eher Kleinstlebewesen / Mikroorganismen und eben bei den grünen Hydren Algen bevorzugt werden, ist die erste Möglichkeit es mit aushungern zu versuchen. Wenn es möglich ist, die Futtermenge verringern und dazu mehrere große Wasserwechsel durchführen. Zusätzlich kann man mit einem Küchentuch die Hydren an den noch feuchten Scheiben während des Wasserwechsels nach oben hin abwischen. Dabei aber wirklich vorsichtig und gründlich vorgehen, denn aus jedem noch so kleinem Fitzelchen entstehen neue Hydren!

Eine weitere Möglichkeit wäre Spitzschlammschnecken einzusetzen, denn diese sollen Hydren wohl zum fressen gern haben, doch diese würden wir nur empfehlen, wenn solche Schnecken grundsätzlich erwünscht sind und man ihren Ansprüchen gerecht werden kann – dabei auch bitte unbedingt die Temperatur beachten, da die Spitzschlammschnecken es eher kühl mögen und zudem auch noch recht groß werden können. Diese Methode klappt aber auch nicht immer und ob man Tiere zum Zweck einsetzen möchte, muß man mit sich selbst vereinbaren.

Dann gäbe es noch diverse Mittelchen wie Panacur und ähnliches zur Bekämpfung, die in der Regel recht zuverlässig wirken, aber sie können auch andere Aquarienbewohner schädigen – insbesondere Schnecken.

Hydren einnebeln mit Glutaraldehyd, wie es oftmals in den sogenannten „flüssigen Kohlenstoffdüngern“ vorhanden ist, würde sie zwar auch vernichten, doch sehen wir von dem völlig ab, da wir absolut kein Freund von Glutaraldehyd sind.

Dieser Stoff ist sehr ätzend und reizend, kann an einem selbst zu Hautreizungen und Atemwegsprobleme führen und es tötet auch alles andere ab, was in seinen Nebel gelangt. Wer schon einmal gesehen hat, wie sich Garnelen, Schnecken und Fische winden bevor sie qualvoll sterben wenn sie damit in Kontakt gekommen sind, wird seine Meinung sehr schnell ändern. Außerdem kann es unter Umständen zu Wachstumsblockaden bei den Pflanzen kommen.

So gesehen, wäre also unsere Empfehlung es erstmal mit aushungern und abwischen zu versuchen. Es gäbe aber noch eine Möglichkeit, die noch nicht sehr bekannt ist und die wäre die Hydren mit einem Sud aus Granatapfelschalen einzunebeln. Granatapfelschalen werden schon länger sehr erfolgreich gegen bakterielle Infektionen bei Garnelen verwendet. Durch Zufall entdeckten wir, daß eben der Sud daraus sehr gut gegen Hydren wirkt und haben damit mehrere Tests durchgeführt, welche alle das gleiche Ergebnis brachten. Kurze Zeit später gab uns die DATZ die Möglichkeit einen Artikel darüber für ihr Magazin zu schreiben, welchen Du nachfolgend durchlesen kannst…

Datz042012

Eine Garantie auf Erfolg können wir natürlich nicht geben, da es immer gewisse Faktoren gibt, die das Ergebnis beeinflussen können und natürlich können wir auch keine Haftung übernehmen – daher hier nochmal der ausdrückliche Hinweis, daß Du es wenn dann nur auf eigenes Risiko versuchst! Danke

Ansonsten schau Dir die Hydren einfach mal genauer an. Es sind nämlich auch sehr faszinierende, interessante Lebewesen und wenn Du die Möglichkeit hast sie zu halten, dann gib ihnen eine Chance und erfreue Dich an ihnen.

Hydra viridissima

Hydra viridissima
© Frank Fox – http://www.mikro-foto.deCC BY-SA 3.0 deLink

Hydra oligactis

Hydra oligactis.jpg
© Lifetrance at en.wikipediaCC BY-SA 3.0Link


Nachfolgend noch ein kleines Video wo wir eine Hydra mit Granatapfelschalensud einnebeln. Leider nicht die beste Qualität und auch etwas verwackelt, aber das Ergebnis dürfte zu erkennen sein. Sollten wir mal wieder Hydren in einem unserer Becken haben, werden wir umgehend neues Bildmaterial aufnehmen und in diesem Beitrag entsprechend ergänzen.