Nachwuchs über Nachwuchs

Nachwuchs Andinoacara rivulatusWas gibt es schöneres, als ein tolles Aquarium zu haben in dem sich Fische, Krebse und Co. vermehren. Den Nachwuchs aufzuziehen und heranwachsen zu sehen, ist doch einfach wunderbar, interessant und auch faszinierend. Da haben nicht nur Kinder ihre wahre Freude daran.

Doch was ist, wenn das Aquarium dadurch über kurz oder lang arg überbesetzt ist und man keine weiteren Becken und auch kein größeres Aquarium stellen kann? Ein schwieriges Thema, über das schon oft heiß diskutiert wurde.

Da auch wir über die Jahre hinweg mehrmals von verschiedenem Nachwuchs regelrecht überschwemmt wurden, möchten wir in diesem Beitrag auf das Thema Nachwuchs ein wenig eingehen und dabei unsere Erfahrungen sowie ein paar Tipps einfließen lassen.


Nicht alle Aquarienbewohner vermehren sich im Aquarium, für manche sind sogar große Anstrengungen in speziellen Zuchtaquarien notwendig, doch es gibt auch viele Arten, die sich sogar in Gesellschaftsaquarien mehr als gut vermehren. Das betrifft jetzt aber nicht nur diverse Lebendgebärende wie Guppys, Mollys, Platys oder Schwertträger, sondern auch einige Welsarten wie die bekannten Antennenwelse (Ancistrus), die eierlegenden Zahnkärpflinge Fundulopanchax gardneri, Buntbarscharten wie unter anderem die Andinoacara rivulatus und so weiter.

Ancistrus sp. Cambarellus schmitti

Viele sagen, wenn sich die Fische und Co. sehr gut vermehren, dann passt alles im Aquarium. Das mag für viele durchaus zutreffen, aber nicht für alle, denn manche würden sich – überspitzt ausgedrückt – sogar in der übelsten Pampe noch vermehren, um den Bestand zu sichern.

Was aber tun, wenn man einfach viel zu viel Nachwuchs hat?

Kastrationen oder Sterilisationen sind hier ja leider nicht möglich und Gummis haben wir für Fische, Krebse und Co. auch noch nicht gesehen, wenn Du verstehst was wir meinen.

  • Anschaffung vorher gut überlegen
    Zuerst könnte man die Anschaffung von sich gut vermehrenden Arten vorher gut überlegen. Da ist aber das Problem, daß gerade Anfänger nicht berücksichtigen, daß sich Nachwuchs einstellen könnte oder es sich leichter vorstellen und viele Anbieter sagen auch, wie eben schon erwähnt, daß sich die Tiere nur gut vermehren, wenn es ihnen gut geht, was aber eben nicht unbedingt so sein muß.
  • Eingeschlechtliche Haltung
    Bei vielen Wasserbewohnern ist eine eingeschlechtliche Haltung auch möglich, weshalb nichts dagegen spricht, sich nur eine Gruppe männlicher Guppys oder bei denen wo die Männchen untereinander sehr ruppig oder aggessiv sein können, dann eine Weibchen-WG zu pflegen, wie wir es unter anderem bei Platys, Schwertträgern oder Antennenwelsen empfehlen würden. Im Falle von Lebendgebärenden jedoch beachten, daß die Damen Samen speichern können und es so noch mehrmals Nachwuchs geben kann, wenn sie schon mal mit geschlechtsreifen Männchen in Kontakt waren. Bei Krebsen ist es auch absolut kein Problem, sich ein einzelnes Tier zu halten, wobei in Bezug auf Marmorkrebse (Procambarus fallax f. virginalis) zu beachten wäre, daß diese sich per Jungfernzeugung (Parthenogenese) vermehren – in solchen Fällen sich ein einzelnes Tier also trotzdem vermehrt.
  • Gelege entfernen
    Bei Fischarten, welche ihre Gelege in Höhlen oder auf Pflanzen, Wurzeln oder Steine ablegen, lassen sich die Eier normalerweise gut entfernen – am besten gleich noch am selben Tag, an dem sie abgelegt wurden. Je nach Größe der Eier und je nach weiterem Besatz kann man sie oftmals auch einfach in das Aquarium streuen, denn über einen solchen Snack freuen sich so einige. Muß man einfach mal ausprobieren. Dazu ist allerdings viel beobachten angesagt, damit man die Gelege rechtzeitig entdeckt. Bei Schneckengelegen ist es ähnlich, jedoch sind diese oft so klein und unscheinbar oder so im Pflanzendickicht versteckt, daß man die meist gar nicht sieht. Was Krebse betrifft, so kann man bei ihnen die Eier mit einer feinen Zahnbürste abstreifen, doch da ist sehr viel Aufmerksamkeit gefordert, nicht jeder traut sich sowas zu und für die Krebse ist das manchmal nicht sehr angenehm.
  • Fressfeinde
    Fressfeinde einzusetzen bzw. in weiteren Aquarien zu pflegen, ist auch nicht immer möglich und nicht jedermanns Sache. Wenn doch, dann sollten solche, unserer Ansicht nach, zum einen grundsätzlich gewünscht und nicht nur zum „beseitigen des Problems“ gedacht sein sowie natürlich auch zu den jeweiligen Ansprüchen was Aquariengröße, Einrichtung, Wasserwerte, Temperatur, Mitbesatz und so weiter betrifft, passen.
  • Vermittlung des Nachwuchses
    Hat sich doch mal zuviel Nachwuchs eingestellt, dann besteht weiterhin die Möglichkeit, den Überschuß an andere Aquarianer zu vermitteln. Ob man sie in ein gutes Heim abgibt, in dem sie lange und gesund leben können oder ob man sie Raubfischen vorsetzt, welche ja auch irgendwie ernährt werden müssen, muß jeder für sich entscheiden, genauso ob man dafür eine kleine Schutzgebühr verlangt oder ob man sie verschenkt. Es ist auch wirklich nicht verwerflich, wenn man dazu steht, daß man sich schlichtweg verrechnet hat, schlecht beraten wurde oder sich einfach nicht ausgiebig vorher informiert hat und die Tiere dann zu ihrem Wohl komplett oder auch nur den Nachwuchs plus eines der Geschlechter an einen anderen Aquarianer abgibt. Manchmal dauert so eine Suche ein wenig länger, vorallem wenn man in einer aquaristischen Pampa sitzt, doch wenn man dran bleibt, dann findet man sicherlich jemanden.

Wie wir es mit dem Nachwuchs handhaben…

In den ersten Jahren unserer Aquaristikzeit hatten wir auch sehr viel Nachwuchs, vorallem von den Lebendgebärenden, welche uns als beste Einsteigerfische angepriesen wurden sowie von den braunen Antennenwelsen. Es dauerte nicht lange und wir hatten hunderte Fische und obwohl wir sogar noch weitere Aquarien aufgestellt hatten, waren die Kapazitäten bald erschöpft. Wir bemühten uns, den Nachwuchs regelmäßig zu vermitteln, doch in unserer Gegend in der die Aquaristik nicht sehr weit verbreitet ist und einige andere ebenfalls über denselben Nachwuchs klagten, war das nicht wirklich einfach. Es war auch sehr anstrengend laufend Leute hier zu haben, welche mal 3, mal 5 oder auch mal 10 Fischlein abgenommen hatten. So war es ein Fass ohne Boden…

Wir hatten uns dann entschieden, die Fische komplett abzugeben und suchten für jede Art einen Abnehmer, der viel Platz für den Nachwuchs sowie auch feste Abnehmer für überschüssige Tiere hatte. Das dauerte zwar ein wenig, aber wir konnten letztendlich alle in ein sehr gutes Heim vermitteln.

So waren wir natürlich erstmal kuriert und informierten uns von da an gründlich vor der Anschaffung, ob sich die Tiere unter normalen Bedingungen vermehren und wenn ja, wie und wie stark. Dementsprechend greifen wir inzwischen lieber auf eine eingeschlechtliche Haltung zurück oder entfernen die Gelege bzw. ziehen nur soviel auf, um unsere Bestände zu halten. Ansonsten verzichten wir lieber, denn was bringt es, wenn sie bei uns regelrecht gestapelt würden, während der Markt auch überfüllt ist – da müssen wir es anderen, oft sehr verzweifelten Aquarianern, die ihren Nachwuchs nicht los werden, nicht noch schwerer machen.

Ancistrus sp. albino Gelege Andinoacara rivulatus Gelege

So funktioniert das jetzt schon seit Jahren sehr gut bei uns und können es jedem anderen nur empfehlen. Verantwortung und Vernunft zeigen und das Wohl seiner Schützlinge sowie auch das der anderen beachten.


Was uns traurig macht und auch teils sehr ärgert…

Immer wieder lesen oder hören wir davon, daß manche ihren Nachwuchs einfach so in den Müll oder über den Keramikexpress entsorgen, mit oder ohne vorherige Tötung. Das mag manchmal aus purer Verzweiflung kommen oder weil an manch andere Möglichkeiten gar nicht gedacht wird und einigen anderen sind die Tiere schlichtweg egal. Wie oft mussten wir uns schon anhören „sind doch nur Fische“ – oder Krebse, Schnecken oder wie auch immer…

Als verantwortungsbewusste Halter ist das für uns absolut keine Option! Das Leben von Fisch und Co. ist doch nicht weniger Wert als das eines Hundes, einer Katze, eines Pferdes etc. Doch manchmal kommt es uns vor, als ob nur aus dem Auge, aus dem Sinn zählt – schnell weg, ohne Arbeit und Aufwand. Natürlich gehört zur Verantwortung dazu, ein krankes, nicht heilbares Tier oder eines mit erheblichen Beeinträchtigungen, so daß es nicht überlebensfähig ist, zu erlösen bevor es lange leiden muß und in der Natur gilt gefressen und gefressen werden, weshalb es ganz normal ist, daß sich manche Arten von anderen ernähren. Doch ein gesundes, kräftiges Tier zu töten, weil man es nicht mehr haben möchte, weil es einfach zuviele geworden sind, ist für uns nicht in Ordnung – das ist einfach nicht fair gegenüber den Tieren. Dann lieber in gute Hände abgeben und beim nächsten Mal gründlich vor der Anschaffung darüber nachdenken.

Nicht selten wird man aber auch unter Druck gesetzt, so nach Motto: Nimmst Du die Tiere nicht zu dem Preis (wohlgemerkt oft ein sehr übertrieben hoher Preis) dann entsorge ich sie einfach. Das geht doch nicht! Wir persönlich zahlen gerne ein wenig mehr für gesunde, kräftige und stabile Tiere, denn die Vorbereitungen zur Nachzucht sowie die Aufzucht selbst kostet Zeit und natürlich auch Geld für Strom, benötigtes Zubehör, Wasser und Wasseraufbereitung, Futter und so weiter. Aus Mitleid werden dann oft solche Fische etc. erworben, haben wir auch schon gemacht, damit sie nicht in der Toilette landen, doch wenn man dann ein paar Wochen später wieder nachschaut, steht neuer Nachwuchs mit dem selben Hinweis müssen schnellstens weg, sonst spülen wir sie runter zum Verkauf. So kann man sich natürlich gut was dazu verdienen, doch ist das nicht seriös und auch nicht fair – nicht gegenüber den Tieren und ebenso nicht gegenüber den Interessenten sowie anderen Aquarianern, die verzweifelt versuchen ihren überschüssigen Nachwuchs abzugeben, um Ordnung in ihrem Aquarium zu schaffen.

Ein ebenfalls nicht seltenes Thema ist, wenn der Nachwuchs einfach nicht dem Zuchtziel entspricht. Da passt etwas an der Färbung nicht oder an der Flossenform und schon werden diese aus der Zucht genommen. Ist auch in Ordnung, denn jeder Züchter hat da so seine Vorstellungen und Wünsche und anders gäbe es diverse Farb- und Flossenformen nicht. Doch nur weil das Tier nicht dem Ziel entspricht, ist es deswegen nicht weniger Wert als das perfekt gefärbte Geschwisterchen. Wie so oft erleben wir, daß dann eben auch solcher „Ausschuß“ einfach entsorgt wird. Wie schon erwähnt, wenn dann wenigstens andere satt werden davon, weil sie unter anderem auch auf solche Nahrung angewiesen sind, wird kaum jemand etwas dagegen sagen, ansonsten dürften wir alle keine Fische, Garnelen, Krebse und dergleichen pflegen, denn selbst in Fertigfutter ist immer ein gewisser fleischlicher Anteil drin und manche nehmen nunmal nur Lebendfutter. Uns geht es da wirklich nur um das reine entsorgen in den Müll oder über die Kanalisation. Sowas muß nicht sein und es gibt auch viele Aquarianer, die sich über ausselektierte Tiere freuen.

Selbstverständlich sind nicht alle Aquarianer so – bitte nicht falsch verstehen, aber es kommt vor und sind selbst schon mit sowas mehr als einmal konfrontiert gewesen. Manch einen mag das vielleicht nicht stören, uns stimmt es jedoch sehr traurig, wenn Tiere unnötig getötet werden und ärgern uns, wenn mit dem Mitleid anderer gespielt wird, nur um einen lausigen Euro mehr einzunehmen.

Daher unser Anliegen, sich der Verantwortung stellen, nicht unnötig vermehren und stets zum Wohl der Tiere handeln. Bitte nicht einfach entsorgen oder qualvoll verenden lassen und nicht die Gutmütigkeit und Gutgläubigkeit anderer ausnutzen – das ist einfach nicht fair gegenüber allen Parteien.

Krebsln

Danke