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Die Schuld der Verkäufer?

Immer wieder lesen wir in verschiedenen Aquaristikcommunities, dass Verkäufer falsch beraten haben, wodurch ungünstige Haltungsbedingungen und / oder unpassende Vergesellschaftungen vorliegen.

Besonders als Anfänger fällt es einem sehr schwer, den Überblick über all die im Handel erhältlichen Aquarienarten, dem Zubehör und den Aquarienbewohnern zu behalten. Man denkt oft, der Verkäufer müsse sich ja auskennen und vertraut diesem dadurch oft einfach blindlinks. Doch ist das auch richtig und kann man die Schuld an der falschen oder ungünstigen Haltung wirklich alleine dem Verkäufer aufdrücken, wenn etwas schief läuft?

Führen wir uns mal ein paar Dinge vor die Augen…

Ein Verkäufer hat, wie es der Name schon vermuten lässt, die Aufgabe zu verkaufen und unter ihnen gibt es einige, denen der Umsatz wichtiger ist, als eine vernünftige Beratung zum Wohl des Kunden und der Tiere. Oftmals wissen sie es aber auch nicht besser oder geben längst veraltetes / überholtes Wissen weiter. Besonders in der heutigen Zeit ist der Konkurrenzdruck für manche sehr hart, Zeit ist sowieso Mangelware, jeder will bzw. muß irgendwie über die Runden kommen und alles soll so günstig wie nur möglich sein. So ist es ganz normal, dass gut ausgebildetes, top qualiziertes Personal einfach nicht für einen Hungerlohn zu bekommen ist.

(http://aquabits.de/wp-content/uploads/2016/04/eingewoehnen01.jpg)Wir gehen also in einen Laden und lassen uns dort beraten. Der Verkäufer faselt irgendwas von Wasserwerten, die Fische passen super zueinander und auch in unser Aquarium und rundet das Ganze mit diversen Fachausdrücken ab. Für uns wirkt das sehr professionell, vertrauen somit den Aussagen und kaufen bei ihm anschließend ein.

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Nach ein paar Tagen oder Wochen ist der Besatz krank, unter Umständen verendet. Das ist sehr traurig, doch ein leeres Aquarium ist nichts und schön sahen die Tiere ja doch aus. Vielleicht denkt man sich, man hatte einfach ein schlechtes Händchen gehabt und geschwächte Tiere erwischt. Also gehen wir wieder in den Laden und kaufen erneut.

Was ist passiert?

Trägt hier der Händler wirklich die alleinige Schuld? Liegt es an uns, weil wir uns nicht mehr um die Tiere bemüht haben? Wollten wir vielleicht auf biegen und brechen einen möglichst vielfältigen, kunterbunten Besatz im Aquarium schwimmen haben? Möglichkeiten was passiert ist, gibt es wie Sand am Meer, aber egal wie, der Shop hat jedenfalls einen neuen Stammkunden gewonnen und somit stimmt seine Kasse wieder. Unser Geldbeutel wurde dagegen jedoch mehr oder weniger erleichtert und Leben gingen unnötig verloren.

Das klingt jetzt sicher für manche sehr überspitzt, ist es aber nicht, denn sowas kommt tatsächlich jeden Tag vor. Bitte verstehe uns aber nicht falsch, denn zum Glück gibt es noch sehr viele empfehlenswerte Läden und Verkäufer sowie natürlich auch Halter, die lieber etwas mehr für gute Qualität ausgeben und sich vorher gut informieren, um das Beste für seine Schützlinge zu geben, aber es gibt halt leider auch andere…

Besonders für einen Anfänger ist es schwierig die Spreu vom Weizen zu trennen. Wie will man ohne groß Ahnung zu haben, differenzieren können, wer es gut mit einem und den Tierchen meint und wer nicht? Ebenso ndet man in Büchern und im Internet oft sehr wiedersprüchliche Angaben, auch wie vorhin schon erwähnt längst veraltete Infos, was es einem Anfänger ebenfalls nicht einfacher macht. Das ist ganz normal und auch wirklich nicht schlimm, denn es ist bisher noch kein Meister vom Himmel gefallen und das führt uns nun zum nächsten Punkt.

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Wie in vielen anderen Tierbereichen auch, ist es hier genauso. Man kann nicht alles einfach so miteinander vergesellschaften, nicht alles passt in jede Aquariengröße und die weiteren Bedürfnisse an Einrichtung, Wasserwerte, Temperatur und Ernährung wollen auch beachtet werden. Sicherlich gibt es viele Wasserbewohner, welche mit einem breiten Spektrum zurecht kommen und allgemein nicht allzu große Anforderungen stellen. Doch um rauszunden, was zu einem passt und ob man die Ansprüche erfüllen kann, nden wir es wichtig, sich vorab ausgiebig zu informieren und zwar am besten bei mehreren Quellen, um fehler- und lückenhafte Angaben ausndig zu machen. Die Informationspicht und Sorge um eine gute Haltung liegt doch bei uns selbst.

Einige wichtige Punkte hierzu wären unter anderem:

  • Wasserwerte

Welche Ansprüche haben die Tiere in Bezug auf Gesamthärte (GH), Karbonathärte (KH) und Säuregehalt (pH) und ist eine besondere Wasseraufbereitung oder gar Salzzusatz notwendig?

  • Temperatur

Manche bevorzugen es kühler, andere dagegen brauchen es eher wärmer.

  • Strömung

Wird eine stärkere Strömung benötigt oder wäre das sogar kontraproduktiv?

  • Einrichtung

Wie weit sind eine gute Struktur sowie deutliche Reviergrenzen notwendig, werden Höhlen und Verstecke benötigt und wenn ja, welcher Art und welche Größen sind geeignet? Wäre eine dichte Bepanzung empfehlenswert oder werden Pflanzen rigeros gefressen, wie sieht es mit utenden Pflanzen bzw. mit Schwimmpflanzen als oberächennahe Deckung aus und welche Ansprüche stellen die Pflanzen? Ist ein eher steiniges Layout ratsam oder eines mit vielen Wurzeln, ist weiches Holz sogar für eine problemlose Verdauung notwendig, verändern Steine, Wurzeln und Bodengrund die Wasserwerte und wenn ja, ist das für den Besatz zuträglich oder wirkt sich das sogar positiv aus und wie sieht es mit dem Einsatz von Laub und Erlenzapfen aus, welche Huminstoffe abgeben? Ist Sand, feiner oder gröberer Kies besser geeignet?

  • Beleuchtung

Manche Pflanzen und Tierchen bevorzugen es eher schummrig, anderen dagegen ist es heller lieber bzw. relativ egal und auch die Art der Beleuchtung kann wichtig sein.

  • Aquariengröße

Im Handel sind oft Jungtiere erhältlich, welche je nach Art durchaus sehr groß werden können. Weiterhin zu beachten wäre, welche Gruppenstärken empfehlenswert sind, ob sie sich regelmäßig ohne großes Zutun vermehren sowie auch ob es sich um eher ruhige und standorttreue Gesellen handelt oder ob sie gerne viel schwimmen und sich dadurch langgestreckte Aquarien mit einer guten Grundäche besser eignen.

  • Ernährung

Größe, Art und Menge des Futters – Stichwörter hierzu wären Algen- bzw. Aufwuchsfresser (Limnivore), Pflanzenfresser (Herbivore), Fleischfresser (Carnivore) und Allesfresser (Omnivore). Wird nur Lebend- oder Frostfutter genommen oder ist ständig frischer Algenaufwuchs notwendig?

  • Krankheiten

Gibt es Krankheiten, welche für andere gefährlich sein können – so zum Beispiel die Krebspest bei Krebsen und kann man gewisse Vorsichtsmaßnahmen einhalten, damit man keine anderen Aquarienbewohner oder einheimische Tiere gefährdet?

  • Vergesellschaftung

Nicht alles kann man miteinander vergesellschaften, manches wird rigeros attackiert oder gefressen, andere sind einfach sehr sensibel und kümmern bei weiterem Besatz und bei manchem Besatz kommt kein Nachwuchs hoch, was aber nicht unbedingt negativ sein muß. Auch zu beachten wären die Revieransprüche, Schlafregionen und in welcher Beckenregion die Tiere sich aufhalten, nicht dass sich am Ende alles am Boden tummelt oder sie sich in die Quere kommen, zum Beispiel während die einen an der Wasseroberäche schlafen und andere atmosphärische Luft atmen müssen. Für manche Arten ist eine größere Gruppe von Artgenossen zu empfehlen, wogegen andere Einzelgänger sind oder eine Paar- bzw. Haremshaltung bevorzugen.

Ein schönes Beispiel zur Endgröße von Fischen wäre unter anderem die Siamesische Rüsselbarbe (Crossocheilus oblongus / Crossocheilus siamensis). Diese ist im Handel oft als 4-6 cm kleines, dünnes „Würmchen“ anzutreffen und wird nicht selten für Aquarien zwischen 60 und 100 Liter angepriesen, doch ein paar Jahre später kann man dann solche Brummer im Aquarium sitzen haben, die einen guten Bewegungsdrang haben und auch eine etwas stärkere Strömung durchaus bevorzugen.

Das wären jetzt mal so die wichtigsten Punkte. Zuletzt stellt sich dann eben die Frage, ob man dem Ganzen gerecht werden kann, ob die gewünschten Pflanzen und Tieren zu einem passen, nicht dass man ein ruhiges Bild vor sich haben möchte und dann vor einem mehr als quirrligen Trupp sitzt. Letztendlich möchte man ja viel Freude an seinem Aquarium haben, alles soll den eigenen Gegebenheiten entsprechend gut zu händeln sein und nicht in Streß oder gar in Frust ausarten, wenn es um spezielle Wasseraufbereitung etc. geht.

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Die Aquaristik ist eine wunderbare, ganz eigene Welt und Anfänger sind da mit der Informationslut teils regelrecht überwältigt. Wir alle wissen aber doch, wie es uns am Anfang ergangen ist. So ziemlich jedem sind so seine Fehler unterlaufen und wird auch später vielleicht noch die ein oder anderen Fehler machen und ausgelernt hat man sowieso nie. Eines können wir jedoch sagen, dass es wirklich nicht so schwer ist, wenn man sich ein wenig damit befasst und es rentiert sich, wenn man sich auch bemüht!

Also lass Dich nicht abschrecken! Informiere Dich unter anderem in Büchern, Zeitschriften, Aquaristikgruppen, auf Webseiten, frage Freunde und Bekannte, wenn diese Aquarien haben oder schaue Dich in Aquarienvereinen um. Gehe in Zoos und Fachgeschäfte sowie auf Börsen und Messen und schaue Dir online Videos an, wobei Habitatvideos da auch sehr empfehlenswert sind, damit Du die Tiere in Bewegung sehen kannst. Versteife Dich aber bitte nie auf eine Quelle alleine, sondern erkundige Dich bei mehreren, denn viele schreiben einfach von einander ab ohne selbst (langjährige) Erfahrungen zu haben, oftmals fehlen auch wichtige Angaben und vieles weiß man inzwischen auch besser.

Und wie schon paar mal erwähnt: erst informieren und ansehen, dann überlegen und erst kaufen, wenn man sich möglichst sicher ist, den Tieren ein gesundes, langes und erfülltes Leben bieten zu können.

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Lass Dir auch nicht alles aufschwatzen, denn nicht jede Technik und nicht jedes „Wundermittelchen“ bringt was – ganz im Gegenteil, denn vieles ist oft sogar für manche Bewohner oder Pflanzen nicht verträglich und bevor Du zu Medikamenten oder Algenvernichter greifst, achte auf eine sichere Diagnose und suche nach der Ursache, denn die wird durch diese Mittel nicht beseitigt.

Was den Fachhandel betrifft, weißt Du dann schnell wer es gut mit Dir und Deinen Schützlingen meint, sobald Du ein wenig in der Materie bist. Im Grunde genommen läuft Dir ja auch nichts davon, denn bevor Du ein Aquarium besetzen kannst, vergehen eh ein paar Wochen, damit sich ein stabiles Milieu entwickeln kann – zumindest empfehlen wir es vorallem Anfängern so. In der Zeit kannst Du dann in Ruhe nochmal alles durchgehen sowie hier und da kleinere Anpassungen im Aquarium vornehmen.

Was vielleicht noch erwähnenswert wäre…

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Viele Großzüchter, das betrifft hier aber auch wieder nicht alle, wenden bei der Zucht die sogenannte „Dampfzucht“ an. Das bedeutet grob gesagt, dass die Jungtiere in zu warmen Wasser bei übermäßig viel Futter (meist auch zu proteinreich) schnell zu Verkaufsgrößen herangezogen werden. Desweiteren werden hier gerne Medikamente (u.a. Antibiotika) benutzt, damit möglichst wenig Ausfälle auftreten. Kommen dann solche Tiere in unser „normales“ Aquarienwasser, auch wenn dieses in Härte und pH Wert passend wäre, kippen sie oft nach wenigen Tagen oder Wochen um. Ähnlich gilt es bei Wildfängen. Sicher man kann über ein „paar“ Generationen nicht davon sprechen, dass die Tiere keine Ansprüche an Wasser und dergleichen hätten, dennoch sind Nachzuchten oftmals nicht so empndlich wie Wildfänge. Daher schaue auch hier mal, ob es nicht sogar private Züchter in Deiner Nähe gibt.

Unserer Meinung nach nimm bitte auch Abstand von Qualzuchten und Hybriden, vermehre nicht unnötig wenn Du keine Abnehmer hast und „entsorge“ bitte nie Tiere, nur weil es zuviele sind, sie einem nicht mehr gefallen oder einfach nicht so schön gezeichnet sind!

Zu guter letzt…

Wir möchten damit jetzt auch keinen verärgern, weil man mal etwas unüberlegt oder übereilt herangegangen ist und dadurch etwas schief gelaufen ist und wir sagen auch nicht, dass alle Verkäufer schlecht oder unqualiziert wären – nein, wir möchten lediglich empfehlen, sich (in Zukunft) vorab zu informieren! Falls aber doch mal etwas nicht so läuft wie es sein sollte oder man sich einfach verrechnet hat, dann ist es gegenüber den Tieren nur fair, immer zu deren Wohl zu handeln – Mängel beheben, Gegebenheiten optimieren oder auch welche in ein geeignetes Heim vermitteln. Daher bitte nicht negativ auffassen, sondern daraus lernen und es in Zukunft einfach besser machen. Glaub uns, wir sprechen hier aus eigener Erfahrung, denn auch wir haben zu Beginn unserer Aquarienzeit auf Verkäufer gehört und sind da leider an einige gekommen, die uns alles mögliche aufgeschwatzt hatten, was gar nicht nötig war oder sogar hätte heftig schief gehen können und wenn wir daran denken, wie unser erster Besatz aussah – ohweh…

Nachdem wir immer mehr dazu lernten und uns mit Gleichgesinnten austauschten, konnten wir so einiges besser machen und haben seitdem noch viel mehr Spaß an der Aquaristik und das schöne ist, dass wir inzwischen auch ein paar Händler gefunden haben, wo wir gut bedient werden, hervorragende Qualität zu einem anständigem Preis bekommen und wo wir uns einfach gut aufgehoben fühlen.

Es sind Lebewesen, die unter unserer Obhut leben, es ist ihr Leben, welches sie in unsere Hände legen! Denke bitte immer daran und mache es ihnen so angenehm wie nur möglich! Dann geht es ihnen gut und man hat viel Freude an und mit ihnen!

Und wenn Du auf der Suche nach einer tollen Aquaristikgruppe bist, welche sich vorwiegend auf Anfängerfragen konzentriert, in der auf einen stets freundschaftlichen und hilfsbereiten Umgang geachtet wird, man Erfahrungswerte austauschen und Probleme gemeinsam angehen kann, dann schau doch einfach mal in der Facebook-Gruppe Nano Aquarium für Anfänger (https://www.facebook.com/groups/nanoaqua/) vorbei. Hier wird auch sicher keiner gesteinigt, nur weil man mal auf den Verkäufer gehört hat oder dachte, dass es passen würde und es dann doch nicht das gelbe vom Ei ist / war.

Danke

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Timo
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