Die Wasserwerte sind in Ordnung

Wenn jemand ein Problem im Aquarium hat, sei es mit Algen, daß die Pflanzen nicht gut wachsen, wenn die Bewohner krank sind oder es unerklärliche Ausfälle gibt, dann bekommt man auf Nachfrage wie die Wasserwerte aussehen, vielmals die Antwort sie wären in Ordnung. Gleiche Mitteilung bekommt man ebenso sehr oft, wenn man die verschiedenen Werte im Zoofachhandel vor Ort testen lässt.

Leider kann man damit nicht wirklich viel anfangen. Warum das so ist und warum man die Wasserwerte in Zahlen bräuchte, möchten wir nachfolgend grob erklären.

Fische, Garnelen, Flußkrebse, Schnecken und andere Bewohner in unseren Aquarien sind auf das Element Wasser angewiesen und können ohne nicht überleben, doch ist Wasser nicht gleich Wasser. Die meist gefragtesten Werte sind neben der Temperatur die Gesamthärte (GH), die Karbonathärte (KH), der Säuregehalt (pH) sowie Nitrat (NO3) und Nitrit (NO2). Im Bereich von Algen und Pflanzen werden zudem noch Eisen (Fe) und wenn möglich Phosphat (PO4) sowie Kohlenstoffdioxid (CO2) benötigt.

Grundsätzlich gilt, je mehr Du angeben kannst, desto besser ist es natürlich.


Warum aber sind diese Werte so wichtig?

Manche Pflanzen und Tiere bevorzugen eher weiches Wasser, also niedrige GH- und KH-Werte sowie einen sauren pH Wert. Andere dagegen mögen es härter und alkalischer lieber oder weich und alkalisch und so weiter. Besonders Fische und Co. haben sich über wirklich sehr sehr viele Generationen an ihre natürliche Umgebung angepasst und auch wenn Nachzuchttiere oftmals nicht mehr so empfindlich in Bezug auf die Wasserwerte sind, so lassen sich diese Ansprüche unserer Ansicht nach nicht einfach so „wegzüchten“ und im Handel sind zudem auch ungeahnt viele Wildfänge erhältlich. Aus diesem Grunde sind wir der Meinung, daß es durchaus empfehlenswert ist, sich an die Herkunft der jeweiligen Arten zu orientieren.

Wir möchten jetzt auch nicht allzu weit ausholen, aber mal so als Beispiel wenn man einen Weichwasserfisch wie den Roten Neon (Paracheirodon axelrodi), welcher aus weichem, sauren Wasser stammt, in hartes und alkalisches Wasser setzt oder einen Buntbarsch aus dem Tanganjikasee in Schwarzwasser, dann kann das durchaus zu Probleme führen.

Damit die Fische unter anderem nicht austrocknen bzw. zuviel Wasser aufnehmen, je nachdem ob die Werte für sie zu hoch oder zu niedrig sind, müssen sie ihre Osmoregulation (Regulation des osmotischen Drucks) entsprechend anpassen. Das ist für die Fische ein enormer körperlicher Aufwand, vorallem für die Nieren, denn sie müssen entsprechend mehr Wasser aufnehmen bzw. ausscheiden, aber auch andere Organe werden dadurch belastet, sie werden allgemein krankheitsanfälliger und können letztendlich wesentlich kurzlebiger sein. Man merkt ihnen das auch nicht immer sofort an, sondern es ist oft ein schleichender Prozess….

Sind die Fische krank oder gibt es augenscheinlich unerklärliche Ausfälle, so können eben die Wasserwerte durchaus wichtig sein. Auch die Schadstoffbelastungen wie Ammonium / Ammoniak, Nitrit und Nitrat sind dabei auch nicht zu verachten. Nehmen wir als Beispiel den Nitritwert. Nitrit blockiert den Sauerstofftransport im Blut und je nachdem wie hoch der Wert ist, kann das auch sehr schnell das Ende für ein Fischlein bedeuten, da er regelrecht erstickt.

Schwächeln die Pflanzen oder macht sich Algenwuchs breit, dann gilt es auch hier die Ursache unter anderem über die Wasserwerte zu suchen. Fehlt ein Nährstoff oder liegt ein Ungleichgewicht von Mikro- und Makronährstoffen vor, dann kümmern die Pflanzen und Algen haben leichteres Spiel.

Gleiches gilt bei den Temperaturen, denn die einen Pflanzen und Tiere bevorzugen es eher kühler, andere dagegen halten sich sehr gut zwischen 24 und 26°C und andere wie unter anderem Diskusfische gedeihen erst bei höheren Temperaturen gut. Würde man beispielsweise einen Kardinalfisch (Tanichthys albonubes), welcher durchschnittlich bei 18 bis max. 22°C gepflegt wird, nun dauerhaft in 28°C warmes Wasser, läuft dessen Stoffwechsel auf Hochtouren, was auch wieder den Körper arg strapaziert. Das Resultat wäre, daß der Fisch ebenfalls krankheitsanfälliger und letztendlich kurzlebiger ist.

Leider ist es aber so, daß bei Teststreifen wie auch bei Tröpfchentests ein pauschaler Bereich von gut, kritisch und gefährlich angegeben ist und da kommen unserer Erfahrung nach die Aussagen, daß die Wasserwerte „in Ordnung“ oder „ok“ sind, her. Dieses „ok“ bezieht sich allerdings eher auf anspruchslosere Arten, welche in einem gewissen Bereich gut zu halten sind, wobei sich hier aber auch darüber streiten lässt, welche Arten denn nun wirklich anspruchslos sind und sie beziehen auch Wildfänge, welche eben sehr oft im Handel erhältlich sind, nicht mit ein, von anspruchsvolleren Arten ganz zu schweigen.

Testkarte Wassertest Wasserwerte sind okay

Weiterhin lassen sich aus zwei Wasserwerten noch weitere berechnen, wie unter anderem der Kohlenstoffdioxid Gehalt (CO2) aus der Karbonathärte (KH) und dem pH-Wert und die Anteile des schon in niedrigen Werten hochgiftige Ammoniak (NH3) hängt am pH-Wert.


Um also so gut es geht die Ursache(n) Deines Problems herauszufinden und eine Lösung anzubieten, ist es eben wichtig die Wasserwerte in Zahlen zu kennen. Diese beim testen zu notieren bzw. sich im Laden aufschreiben zu lassen, dauert doch wirklich nicht lange und weitergegeben sind sie auch gleich. Nimm dir die ein bis zwei Minuten einfach Zeit, denn das erspart langwierige Fragen, welche dann ja auch Zeit kosten und es macht gerade in Internet-Communities die Beiträge nur unübersichtlich.

So ganz nebenbei kann es für Dich aber auch sehr hilfreich sein, die Entwicklung Deiner Wasserwerte etwas zu verfolgen, wenn Du noch nicht so ein gutes Gefühl dafür hast.


Zum Schluß noch als Tipp…

Verlasse Dich auch bitte nicht einzig und allein auf den Handel, wenn Du nach pflegeleichten Tieren, die man in Leitungswasser halten kann, fragst. Der Grund ist, daß Dein Händler Dein Leitungswasser normalerweise nicht kennt, die Werte können sich von Ortsteil zu Ortsteil, manchmal sogar von einer Straße zur anderen deutlich unterscheiden, je nachdem welche Wasserwerke welche Gegenden versorgen und manchmal – natürlich nicht immer – kennen sich Verkäufer auch nicht ausreichend aus. Hinzu kommt, daß diverse Materialien wie Wurzeln, Laub, Erlenzapfen, Torf, aktiver Bodengrund (Soil) sowie manche Steine etc. das Wasser ansäuern oder aufhärten können.

Wir empfehlen, sich vorab ausgiebig zu informieren und zwar bei möglichst vielen Quellen – in Büchern, in Webseiten und so weiter, um fehler- und lückenhafte Angaben ausfindig zu machen, denn es schreiben auch viele einfach nur von einander ab und hole Dir auch Erfahrungswerte von anderen Aquarianern ein, die die jeweiligen Pflanzen und Tiere schon länger (möglichst über viele Jahre hinweg) erfolgreich pflegen.

Wie vorhin schon mal erwähnt, schadet es auch nicht, sich mit den Naturhabitaten zu beschäftigen, denn hier lernst Du nicht nur über das Wasser etwas, sondern kannst auch in Sachen Einrichtung, Strömung und dergleichen wichtige Punkte mitnehmen.

Danke


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