Laub im Aquarium

Der Herbst läutet immer wieder eine ganz besondere Jahreszeit ein, in der auch unsere Jäger- und Sammlertriebe geweckt werden. Der Grund dafür ist das Laub diverser sommergrüner Bäume und Sträucher, welches wir zu den verschiedensten Zwecken in unseren Aquarien einsetzen.

Welche Blätter wir von welchen Bäumen für was verwenden, worauf wir achten, wie wir das Laub vorbereiten, lagern sowie im Aquarium einsetzen und wer davon profitiert, darüber soll es im nachfolgenden Bericht gehen…


Kühlt sich in den Herbstnächten der Boden ab, verringert sich die Wasseraufnahme der Bäume, welche nahe des Gefrierpunktes fast zum erliegen kommt. Um Wasserverlust durch Verdunstung zu minimieren, werden Proteine aus den Blättern abgebaut, Nährstoffe in spezielle Speichergewebe eingelagert und das grüne Chlorophyll umgebaut, was zur Folge hat, daß sich die Blätter in den schönsten Herbstfarben zeigen. Anschließend bildet sich eine verkorkte Schicht zwischen Ästchen und Blätter und das Laub fällt ab. Nun wird es für uns Aquarianer interessant und wir können uns auf die Suche nach brauchbarem Laub machen.


Warum Laub im Aquarium?

Unserer Einschätzung und Beobachtungen nach, kommt ein guter Teil der in Aquarien gepflegten Fisch- und Wirbellosen-Arten ursprünglich aus Gewässern, welche neben in das Wasser gefallene Äste oder gar ganzer Baumstämme stets eine mehr oder weniger dicke Laubschicht aufweisen. Dieses Laub bringt eine Menge Vorteile mit sich…

Da wäre zum einen, daß die Blätter Unterschlupf und Ablaichmaterial für die verschiedensten Wasserbewohner bieten sowie sie selbst, aber auch die das Laub zersetzenden Bakterien und Kleinstlebewesen oft ein wichtiger Bestandteil der natürlichen Ernährung oder zumindest eine willkommene Nahrungsergänzung sind.

Und dann wäre noch, daß Laub unter anderem eine Menge Huminstoffe aufweist, welche sich überaus positiv auf Wasser, Tiere und Pflanzen auswirken. Huminstoffe haben eine hohe Kationen-Austausch-Kapazität, sie sind eine gute Kohlenstoffquelle, liefern eine Menge Nährstoffe und helfen bei der Aufnahme von Mikronährstoffen (Eisen etc), was besonders Pflanzen zugute kommt. Huminstoffe sind weiterhin ein natürlicher Wasseraufbereiter, da sie Metallionen binden können und ihnen wird nachgesagt, daß sie eine hormonähnliche Wirkung besitzen.

Für Fische und Co. sind Huminstoffe (Huminsäuren, Fulvosäuren) aber auch in der Hinsicht interessant, daß sie bei der Heilung von Verletzungen und Verpilzungen helfen können und sie stärken das Immunsystem indem sie einen gewissen chemischen Stress auslösen, wodurch multiple Stressresistenzen entstehen. In huminstoffreichem Wasser gepflegte Tiere zeigen sich zumeist weniger empfindlich gegen äußere Einflüsse, Bakterien, Viren, Ektoparasiten und dergleichen, was sich letztendlich auch positiv auf die Lebenserwartung auswirken kann. Natürlich sind Huminstoffe kein Allheil- oder Wundermittel,  denn es gehört zu einer erfolgreichen Pflege auch noch so einiges andere dazu, aber sie haben eben doch eine Menge zu bieten.

Zu diesem Thema verweisen wir an dieser Stelle gerne auf die Bücher und Vorträge des Gewässerökologen Prof. Dr. Christian Steinberg von der Humboldt Universität zu Berlin, der sich seit zig Jahren den Huminstoffen widmet und aus seinen Studien viel Interessantes preisgibt.

Aquarien ohne Huminstoffe sind Quälerei für die Tiere darin, oder?
|– Zitat Prof. Dr. Christian Steinberg

Für uns daher gute Gründe Laub im Aquarium einzusetzen, welches neben den aufgeführten Punkten auch noch einen sehr natürlichen Touch in das Becken bringt.


Welches Laub kann man verwenden?

Hier kommt es unserer Ansicht nach vorrangig darauf an, zu welchem Zweck man das Laub einsetzen möchte.

Zur Nahrungsergänzung, als natürlichen Unterschlupf sowie für die Abrundung eines natürlichen Layouts verwenden wir gerne Blätter von Apfel, Ahorn, Buche, Eiche, Erle, Esskastanie, Haselnuss, Kirsche, Pappel, Pflaume, Walnuß, und Weide, wobei letztere sich relativ schnell zersetzt.

Dazu greifen wir auf das braune Laub zurück, denn die grünen und gelben Blätter weisen oft noch eine Menge Zuckerstoffe usw. auf, welche nur unnötig das Wasser belasten und somit eine Bakterienblüte verursachen würden, die zudem auch noch sehr sauerstoffzehrend wäre. Einzige Ausnahme bilden Maulbeerblätter, welche problemlos grün verfüttert werden können.

Laub färbt, je nachdem von welchem Baum es stammt und wieviel man davon einsetzt, das Wasser mehr oder weniger stark gelblich bis bräunlich ein, was vielen Weichwasserbewohnern sehr entgegenkommt und bei Schwarzwasserbewohnern unserer Meinung nach sogar unverzichtbar ist. Hierfür setzen wir neben braunen, sich bereits geöffneten Erlenzapfen meist noch das braune Laub von Eiche, Erle, Seemandel (Catappa) und Walnuß ein.

Geht es um die Behandlung von bakteriellen Infektionen, Flossenfäule, Schleimhautschäden, Verletzungen und Verpilzungen sowie vorbeugend gegen Laichverpilzung, so machen wir uns die enthaltenen ätherischen Öle und weitere nützliche Bestandteile von grünen Walnußblättern, braunen Bananenbaumblättern und braunen Seemandelbaumblättern zu nutze. Bei Fischtuberkulose / Mykobakterien und Geschwüre haben sich desöfteren schon die grünen und gelben Blätter der Birke als sehr hilfreich erwiesen.

Dazu kann man entweder die Blätter ohne weitere Vorbehandlung direkt in das (Quarantäne-)Aquarium geben oder man setzt, so wie wir es in solchen Fällen handhaben, einen Sud (Teeaufguß) auf und geben diesen ohne Blätter in das Aquarium. Die benötigte Menge richtet sich nach der Art der Blätter sowie aber auch nach dem Besatz wieviel dieser verträgt, der schwere der Erkrankung und natürlich auch nach der Aquariengröße.

Hinweis
Wir empfehlen bei Behandlungen sich vorab ausgiebig mit weiteren, erfahrenen Aquarianern zu besprechen, damit sie möglichst erfolgreich verläuft, der Besatz keinen Schaden davon trägt und damit keine Wechselwirkungen mit Filtermedien, Wasserzusätzen etc. auftreten. Zu beachten wäre noch, daß hierbei nie identische Wirkstoffmengen gegeben sind, da es sich eben um Naturprodukte handelt, welche unter anderem auch verschiedenen Witterungen ausgesetzt sind. Gegebenenfalls kommt man daher um spezielle Mittel aus dem Fachhandel oder vom Tierarzt nicht drum herum.

Wo wird gesammelt und wie vorbereitet?

Wer im eigenen Garten ungespritzte Bäume hat und nicht gerade in einer arg „verpesteten“ Umgebung wohnt, kann normalerweise ganz gut das anfallende Laub verwenden. Ansonsten empfiehlt es sich, Laub ebenso wie die beliebten Erlenzapfen, Hexennüsse sowie allgemein Äste und Wurzeln weit ab von Straßen und Industrie zu sammeln und auch nicht gerade neben Feldern, wenn diese stark gedüngt oder mit Insektiziden, Pestiziden und dergleichen besprüht werden.

Achte auch immer darauf, ob Du ein bestimmtes Gelände überhaupt betreten sowie ob Du da einfach sammeln gehen darfst – das ist nämlich auch nicht immer selbstverständlich und kann unter Umständen teuer geahndet werden. Fein wäre es zudem, wenn Du aufpassen könntest, ob eine Laubschicht, ein Laubhaufen, ein Stapel Äste usw. von Wildtieren wie zum Beispiel von Igeln als Unterschlupf, Nachtlager oder zum Überwintern genutzt wird, denn diese finden meist eh schon kaum was und dann muss man ihnen das wenige nicht auch noch weg nehmen…

Haben wir eine passende Gegend gefunden, dann sammeln wir vorzugsweise gleich das am Boden liegende Laub. Bei dem was wir gleich verwenden möchten, macht es auch absolut nichts aus, wenn es feucht ist und sich bereits zersetzt, denn diese Blätter sind schon schön weich, so daß sie gleich verwertet werden können und die anhaftenden Bakterien, munden so ziemlich allen Aquarienbewohnern.

Das Laub, welches wir auf Vorrat anhäufen, wird gut ausgebreitet entweder in der Sonne oder in einem warmen Raum getrocknet und anschließend in luftigen Behältern, wie zum Beispiel in Leinensäcken oder in Kartons, aufbewahrt. Hin und wieder mal ein wenig durchmischen und man hat immer wertvolles Laub für die Aquarien zur Verfügung.

Die wenigen Sorten an grünen Blättern (u.a. Maulbeer, Walnuß und Birke) werden direkt vom Baum genommen und hängen sie zum trocknen einzeln oder in kleinen Büscheln kopfüber an die Wäscheleine. Danach werden sie wie der andere Vorrat luftig locker gelagert.

Im übrigen halten wir auch immer Ausschau nach abgebrochenen Ästchen samt Laub daran, denn die machen sich auch super im Aquaium und unsere Harnischwelse, Garnelen und Schnecken finden die zum erklimmen, verstecken oder auch zum abweiden ganz toll.

Wovon wir Abstand nehmen sind gammelige, stark verschmutzte und von Pilzen befallene Blätter, Äste und dergleichen, denn sowas muß zwar nicht, kann aber durchaus Probleme im Aquarium bereiten und darauf anlegen muß man es ja nicht.


Wie nun das Laub in das Aquarium geben?

Viele überbrühen das getrocknete Laub erstmal bevor sie es in das Aquarium geben. Das kann man machen, denn damit bricht man die Fasern auf, wodurch das Laub schneller im Wasser untergeht und zudem auch eher von verschiedenen Harnischwelsen, Garnelen, Flußkrebsen und Schnecken gefressen werden kann, ansonsten würde es einige Tage brauchen, bis es verwertbar wird. Außerdem schwemmt man damit auch gut was von den Inhaltsstoffen aus, was von Vorteil ist, wenn man ein wenig mehr vom Laub in das Aquarium geben möchte, denn manche Sorten können den pH Wert sowie die Härte gut senken, nicht daß die Werte abrupt zu stark abfallen. Eine Kontrolle der Wasserwerte, zumindest anfangs bis man ein Gefühl dafür entwickelt, ist daher nicht verkehrt und wir raten eh immer lieber etwas weniger auf einmal zu geben, dafür öfters regelmäßig etwas.

Was irgendwelche Würmchen, Käfer und so weiter betrifft, weswegen überbrühen auch gerne empfohlen wird, so wüssten wir auf Anhieb nichts, was vom Land im Wasser überleben und womöglich noch Schaden anrichten könnte. Wenn denn wirklich etwas anhaftet, wäre es wohl eher ein willkommener Leckerbissen für so manchen Wasserbewohner. Anders würde es aussehen, wenn man sich Äste, Laub, Pflanzen oder Steine aus einem Gewässer holt, denn dann könnten in der Tat ungebetene Gäste mitreisen, welche für den eigenen Besatz gefährlich werden könnten.

Das getrockente Laub kann man aber auch ohne weitere Vorbehandlung in das Aquarium geben. So dauert es zwar meist ein paar Tage bis es untergeht, hat aber wiederum den Vorteil, daß es länger hält bis es zerfällt, insofern es nicht gleich aufgefuttert wird und es gibt mehr von den wertvollen Inhaltsstoffen ab, was aber wie eben schon erwähnt gut Einfluß auf die Wasserwerte haben sowie auch das Wasser deutlich stärker einfärben kann. Natürlich immer abhängig davon um welches Laub es sich handelt, ob es von diesem Herbst oder vom vorherigen Herbst / Winter ist und wie bereits durch Regen etc. die Blätter ausgelaugt sind.

Frisch gesammeltes, sich bereits zersetzendes braunes Laub geben wir direkt in unsere Becken, was sofort untergeht und von fast all unseren Aquarienbewohnern – von den verschiedenen Welsen, über Zwergbuntbarsche, Salmler und Bärblinge bis hin zu den Garnelen, Zwergflußkrebsen und Schnecken sofort fleißig abgeweidet und aufgemampft wird. Allerdings steht uns so eines nicht immer zur Verfügung, verwenden solch schön weiches Laub mit den anhaftenden Bakterien und Kleinstlebewesen aber doch sehr gerne und haben uns daher eine Faunabox aus der Terraristikabteilung (alternativ ginge auch einfach ein sauberer Eimer oder ein altes, kleines Aquarium) zugelegt, in der wir immer etwas Laub vorwässern. Dazu haben wir eine kleine Membranpumpe mit einem Ausströmerstein angeschlossen, der das Wasser etwas in Bewegung hält und den Gasaustausch fördert. Aufgepimpt wird das Ganze mit ein paar Krümel vom HOBBY Protogen Granulat. Dabei handelt es sich um auf Nährboden gezüchtete Infusorien verschiedener Größen, welche mit Wasser aufleben und sich weiterentwickeln.

Infusorien oder auch Aufgußtierchen genannt, werden schon lange erfolgreich zur Aufzucht von Fischlarven verwendet und bestehen unter anderem aus Ciliaten, Paramecien sowie Augen-, Pantoffel-, Trompeten- und Wimperntierchen. Geben wir aufbereitetes Laub in die Becken, ziehen automatisch immer einige Infusorien mit um und haben so einen vollwertigen Ersatz für frisches, sich bereits zersetzendes Laub.


Zusammengefasst wirkt sich Laub sehr positiv auf Wasser, Pflanzen sowie Tiere aus. Es ist Deko, bietet sich als Unterschlupf und Ablaichmaterial an, dient als Nahrung(sergänzung), stärkt das Immunsystem, kann bei Krankheiten und Verletzungen helfen, beugt von innen her auch Magen-Darm-Krankheiten vor, bringt Nährstoffe sowie auch Vitamine und Mineralien mit, wirkt als natürlicher Wasseraufbereiter, kann das Wasser ansäuern und es auch leicht einfärben was Weich- und Schwarzwasserbewohnern sehr entgegenkommt.

Viele Sorten kann man gut vom Herbst bis ins Frühjahr hinweg selber sammeln, wenn man Glück hat sogar das ganze Jahr über und dazu kostet es noch nicht mal was, dafür ist man auch mal an der frischen Luft und kann die Natur genießen. Für uns jedenfalls gehört Laub stets dazu und haben daher auch immer eine Auswahl an getrockneten sowie vorgewässerten Blättern vorrätig.

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