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Künstliche Aquariendeko

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Künstliche Aquariendeko ist das pure Grauen so mancher Aquarianer. Man müsse ein Aquarium möglichst naturnah einrichten, ist da ein oft benutztes Argument und nicht selten wird man als Tierquäler hingestellt, wenn man farbigen Kies benutzt oder ein buntes Schloß im Aquarium hat.

Doch wie schädlich ist so eine Deko und muß es tatsächlich ohne gehen? Hier in diesem Bericht möchten wir auf das Thema künstliche Aquariendeko ein wenig eingehen und von unseren Beobachtungen und Erfahrungen berichten…

Seit langem nutzen wir in unseren Aquarien größtenteils natürliche Einrichtung wie unbehandelten Sand und Kies oder Bodengrundsorten aus gebrannten Erden oder Ton wie z.B. den JBL Manado und JBL Shrimps Soil sowie echte Steine und Wurzeln. Das gefällt uns einfach besser und bringt auch gewisse Vorteile mit sich.

So beeinussen zum Beispiel echte Wurzeln die Wasserwerte positiv, indem sie Huminstoffe abgeben, was besonders Weich- und Schwarzwasserbewohnern sehr entgegen kommt und sie dienen vielen Harnischwelsarten als wichtige Nahrungsergänzung (http://aquabits.de/ernaehrung-ancistrus/). Möchten wir das Wasser etwas härter haben, so erreichen wir mit diversen Gesteinsarten wie mit Seiryu-Steinen und asiatischem Lochgestein etc. schon einiges, ansonsten greifen wir auf neutrale Sorten wie unter anderem auf Basalt, Granit, Lava oder Rheinkies zurück.

Aber ja, auch wir hatten und haben künstliche Deko im Einsatz. Im Handel bekommt man fast alles, was begehrt wird. Angefangen von gelben, roten, blauen, violetten, grünen, braunen, schwarzen Bodengrund und so weiter, über mystische Schlösser, versunkene Schiffe, Schatztruhen, Amphoren und Karaffen, Torbögen, Brücken, Flugzeuge, Autos, Figuren und was es sonst noch alles gibt, bis hin zu Strukturrückwände.

Die Frage ist nun, was einem selbst gefällt, doch sollte man dabei nicht das Wohl seiner Schützlinge aus dem Auge verlieren, denn sie müssen ja in dem Aquarium ein möglichst langes und gesundes Leben führen können. Sind die Tiere krank, dann bereitet es einem ja kaum Freude, man ist besorgt und nicht selten wird dieses wunderbare Hobby deswegen aufgegeben. Doch passt alles, dann gefällt es uns, man kann sich daran erfreuen und hat ein schönes und beruhigendes Stück Natur daheim.

Viele Fischarten kommunizieren unter anderem mit Farben und ändern ihr Farbkleid entsprechend bei Balz, Gefahr oder bei Streß. So verzichten wir unter anderem bei diversen Cichliden auf knalligen Bodengrund wie rot und gelb. Eine zeitlang hatten wir Apistogramma und Mikrogeophagus Arten auf solch quietschebuntem Bodengrund und bekamen immer mehr das Gefühl, dass die Fische unter Streß stehen. Als wir dann etwas später auf braunen Sand zurückgegriffen hatten, bei fast identischer Einrichtung und gleichem Standort, waren die Fische wesentlich entspannter, futterten besser, zogen erfolgreich ihre Brut auf und waren nicht so krankheitsanfällig. Daher sind wir der Meinung, dass auch knallige Farben durchaus Auswirkungen auf das Wohlbenden haben können. Ähnlich ist es bei einigen Arten, welche auf sehr hellem bis schneeweißem Sand gepegt werden. Die Tiere verlieren an Farbe, ziehen sich viel zurück und verhalten sich allgemein einfach nicht so wie es sein sollte.

Ebenso sind wir mit ummanteltem Bodengrund und beschichteter Kunststoffdeko inkl. einiger Strukturrückwände sehr vorsichtig geworden. Je nach Art und Qualität kommt es durchaus vor, dass sich die Beschichtung durch normale Abnutzung und Eigenabrieb mit der Zeit löst oder von Harnischwelsen abgeschabt wird. Dies landet dann meist am und im Bodengrund und kann dort vorallem von gründelnden und anderen bodennah lebenden Bewohnern aufgenommen werden. Das Resultat ist, dass es zu Verdauungsstörungen bis hin zu Darmverschluß kommen kann.

Qualitativ hochwertige Plastikpflanzen können in einem Quarantäneaquarium durchaus sehr nützlich sein oder auch ergänzend zu echten Pflanzen im Hauptbecken. Von alleiniger Benutzung sehen wir jedoch ab, da echte Pflanzen einfach viel schöner sind und durch Wachstum und Beschneiden derselben sich das Aquarium immer etwas verändert, wodurch Abwechslung entsteht. Außerdem produzieren sie tagsüber wichtigen Sauerstoff und verbrauchen auch Schadstoffe wie Nitrat. Ist bei der Nährstoffversorgung alles im Gleichgewicht und wachsen die Pflanzen gut, dann haben Algen kaum mehr eine Chance.

Was die Aussagen betrifft, ein Aquarium dürfe nur natürliche Elemente beinhalten, so stellt sich uns dann die Frage, wie schädlich sind die Transportbeutel in denen wir unsere Lieblinge nach Hause bringen, wie verhält es sich mit dem Wasserwechseleimer und Mulmsauger, was ist mit den Schläuchen, Filterrohren, Filterkästen, Filtermaterialien, Kescher und Netze mit denen Moose auf Steinen befestigt werden? Wie sieht es mit allen Filter- und Heizstabhalterungen inklusive der ganzen Saugnäpfe aus sowie mit dem Silikon, welches unser Aquarium zusammen hält? Ein Acrylglas-Aquarium dürfte man dann auch nicht benutzen, genauso wie die beliebten Faunaboxen, welche zur Aufzucht und als Sepa gerne genutzt werden.

Kunststoff und Co. haben wir also unweigerlich eh im Aquarium und handtieren damit auch regelmäßig darin. Daher sind wir der Meinung, dass es absolut kein Problem darstellt, wenn man auf künstliche Aquariendeko zurückgreift, solange es sich um qualitativ hochwertige Produkte handelt, damit keine Schadstoffansammlungen (vorallem Nitrat- und Phosphatanstiege sind da sonst schon oft beobachtet worden) und andere negativen Auswirkungen auf das Wasser auftreten. Weiterhin natürlich auch die Ansprüche an Schwimm- und Revierverhalten sowie Rückzugsmöglichkeiten seiner Schützlinge beachten und ebenso darauf achten, dass sich wie bei natürlicher Deko auch, keiner einklemmen und verletzen kann. Im Zweifel einfach mal in Aquaristikcommunities nachfragen, wer mit was schon eigene Erfahrungen gesammelt hat und achtet auf die Angaben für Aquarien geeignet, Wasserneutral und CO2 beständig

Als letzten Punkt noch ein paar Hinweise zur Behandlung von Dekoelementen…

Bitte Bodengrund, Deko und Co. nur kalt oder max. handwarm (ab-)spülen! Bei heißem Wasser oder gar beim abkochen besteht die Gefahr, dass sich Stoffe lösen, die dann das Aquarienwasser stark belasten und im schlimmsten Fall sogar die Bewohner umbringen können. Vor dem Einsatz diverser Medikamente ist es empfehlenswert, die künstlichen Dekoelemente so gut es geht zu entfernen, denn je nach Zusammensetzung des Mittels, können hier starke Verfärbungen auftreten oder sich ebenfalls Stoffe lösen.

Riecht der Bodengrund oder eine Deko komisch, treten Verfärbungen (meist schwarz) auf, blättert die Beschichtung ab, verhalten sich die Bewohner ungewöhnlich, gibt es unerklärliche Ausfälle und sind auffällig hohe Schadstoffansammlungen (Ammonium / Ammoniak, Nitrit, Nitrat und / oder Phosphat) zu messen, dann verdächtigt erstmal diese Sachen. Nehmt sie umgehend raus und macht großzügige Wasserwechsel von gut und gern 80-90%, um schädliche Stoffe ausreichend auszutragen, mit an Härte, pH Wert und Temperatur angepasstem Wasser – wenn notwendig auch mehrmals täglich.

Anbei noch eine kleine Slideshow mit Fotos unserer damaligen und aktuellen künstlichen Gegenständen in den Aquarien und ja, manche Becken sahen echt schrecklich aus – das würden wir heute so nimmer machen und leider sind einige Fotos schon etliche Jahre alt, daher die Qualität eher mau, aber trotzdem wollten wir sie mal zeigen…

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