von Mythen und Märchen in der Aquaristik

Mythen, Märchen und Legenden gibt es auch in der Aquaristik und das zu Genüge und entstehen unter anderem dadurch, daß so manch Angelesenes nur stückchenweise weitergegeben wurde wodurch das Gesamtbild dabei verloren ging. Bei sehr vielen Themen müssen mehrere Faktoren zusammentreffen, damit xy dabei rauskommt, die jedoch nicht immer erkannt oder ebenfalls nicht weitergegeben wurden.

Dann gibt es natürlich auch sehr viele Missverständnisse sowie Fehlinterpretationen mit teils damit verbundenen regelrechten Schauermärchen und vieles weiß man inzwischen, vorallem durch Beobachtung und Forschung der Natur und deren Abläufe, einfach besser.

Wird unreflektiert und / oder ohne selbst längere Erfahrungen in jenem Bereich zu haben, etwas abgeschrieben bzw. weitergeplaudert, so verbreiten sich eben solche Sachen in der Regel sehr schnell und sind kaum mehr aufzuhalten. Die meisten – uns selbstverständlich eingeschlossen – sind sicherlich schon mal dem ein oder anderem Mythos aufgesessen, weshalb wir diesen Beitrag gerne dazu nutzen möchten, um wenigstens im Groben davon zu berichten und werden nach und nach immer wieder mal welche ergänzen.


Mythos 1: Direktes Sonnenlicht verursacht Algen

Sonnenlicht ansich fördert keine Algen. Allerdings bedarf es bei sehr viel Licht, was auch für künstliche Beleuchtung (sogenannte Starklichtbecken) gilt, deutlich mehr Nährstoffe / eine entsprechend angepasste, ausgewogene Nährstoffversorgung, damit die Pflanzen kräftig und gesund wachsen und somit Algen geringere Chancen haben. Dazu sollte man natürlich auch ein Auge auf dem Thermometer haben, damit es gerade an sehr sonnigen Tagen nicht zu heiß im Becken wird.

Mythos 2: Kupfer in Pflanzendüngern ist gefährlich für Garnelen

Das enthaltene Kupfer Cu in für Aquarien vorgesehenen Düngern liegt in chelatierter Form vor und ist damit für Garnelen und anderen empfindlichen Tieren bei korrekter Anwendung nicht gefährlich. Vorsicht ist jedoch bei kupferhaltigen Medikamenten sowie bei Kuperoxychlorid Cu2(OH)3Cl, Kupfersulfat CuSO4 und ähnlichem geboten, welches oft in Antialgenmittel verwendet wird!

Im übrigen sind bei vielen Gliederfüßer (Arthropoden) und Weichtieren (Mollusken) geringe Mengen an Kupfer für die korrekte Funktion des Atmungspigments Hämocyanin sogar absolut notwendig. So gesehen macht also auch hier die Menge das Gift, denn etwas zuviel im Umgebungswasser würde zu einer proportionalen Zunahme im inneren Zellmilieu führen, woraus eine Denaturierung anderer zellulären Enzymen resultieren und die Organismen töten würde. Ansonsten dürfte man auch so manches Futter nicht mehr verabreichen, denn wenn man mal die Zusatzstoffe begutachtet, findet man auch hier immer wieder Kupfer vor. Doch wie gesagt, geht von Pflanzendüngern bei denen das Kupfer chelatiert vorliegt, in der Regel keine Gefahr aus. Im Zweifel kann man auch vorab direkt beim Hersteller anfragen.

Mythos 3: Durch Nitrat wachsen Algen

Früher wurde dem Nitrat NO3 die Schuld an Algen gegeben. Das mag bei sehr hohen Werten oder einem ungünstigem Nitrat-Phosphat-Verhältnis durchaus zutreffend sein, da damit Wachstumsblockaden bei den höheren Pflanzen eintreten können. Nitrat ist jedoch ein wichtiger Nährstoff für Pflanzen. Fehlt dieser oder liegt zu wenig vor, wachsen die Pflanzen ebenfalls nicht gut und Algen haben somit auch wieder leichteres Spiel. Gerade in gut bepflanzten sowie in gering besetzten Aquarien wie in Garnelenbecken, wo meist auch nicht sehr viel gefüttert wird, kann es schnell zu einem Mangel kommen. Ein zudüngen mit Nitrat oder einem NPK Dünger (Stickstoff/Nitrat, Phosphat, Kalium) könnte dann empfehlenswert sein. › mehr dazu lesen…

Mythos 4: Filterreinigung nie gleichzeitig mit Wasserwechsel durchführen 

Der Mythos zur Filterreinigung bei gleichzeitigem Wasserwechsel lässt sich wohl nicht mehr ausrotten. Es heißt, man würde zuviele Nutzbakterien entfernen, so daß die Nitrifikation gestört würde und immer wiederkehrende Nitritpeaks die Folge wären. Das ist so nicht ganz richtig, denn Nutzbakterien sind substratgebunden und befinden sich daher auf Deko und Pflanzen, im Bodengrund und Mulm sowie natürlich auch im Filter. Im Wasser selbst findet man davon eher weniger. Daher ist es absolut kein Problem, einen Wasserwechsel durchzuführen und zeitgleich die Filtermedien oder einen Teil davon in zuvor abgeschöpftem Aquarienwasser zu reinigen. › mehr dazu lesen…

Mythos 5: Panzerwelse brauchen zwingend Sand als Bodengrund 

Auch dieser Mythos hält sich schon ewig und damit verbunden die Aussagen, Panzerwelse würden ihre Barteln auf Kies verlieren und könnten nicht richtig gründeln. Sieht man sich jedoch so manche Naturhabitate an, kann man beobachten, wie Panzerwelse selbst auf steinigem, sogar auf scharfkantigem Boden sehr gut leben und darüber hinwegschrubbern. Wenn dann liegt das Problem bei gröberen Bodengrund eher darin, daß in Aquarien kaum Abtransport gegeben ist und Futtereste leichter im Kies versinken können. In vernachlässigten Becken können Gammelstellen und hohe Keimdichte die Folge sein und das würde sich nicht nur auf Panzerwelse ungünstig auswirken. Auf der anderen Seite müssen die Barteln aber auch so einiges aushalten und da gehört dann schon ein wenig mehr dazu, damit es zur Schmelze kommt. Dennoch ist natürlich wenigstens kantengerundeter und nicht allzu grober Bodengrund sehr zu empfehlen, weil so einer die Pflege deutlich vereinfacht. › mehr dazu lesen…

Mythos 6: Sand ist für Aquarien nicht geeignet 
Immer wieder hören wir, daß Sand für Aquarien nicht geeignet wäre, weil er faulen oder sich verdichten würde und die Pflanzen in so einem feinem Substrat nicht wachsen könnten. Nehmen wir uns hier wieder die Natur als Vorbild, stellt man fest, daß in sehr vielen Gewässern Sand vorhanden ist, für viele Fischarten ist er sogar unverzichtbar und auch Pflanzen wachsen darin sehr gut, manche sogar besser als in gröberem Material. Sand (in der Definition mit einer Körnung zwischen 0,063 und 2 mm) stellt auch im Aquarium kein Problem dar, dennoch raten wir auf ein paar Dinge zu achten…

Luft- und organische Einschlüsse, welche zu Gammelherde führen könnten, kann man gut vermeiden, indem man zuerst etwas Wasser einlässt und dann langsam den Sand in das Becken gibt. Wie bei Kies natürlich hier auch darauf achten, daß möglichst keine Futterreste untergraben werden. Zudem empfehlen wir eine „enge“ Körnung zu verwenden, also z.Bsp. 0,1-0,6 mm oder 0,7-1,2 mm. Werden verschiedene Sand- und Kieskörnungen vermischt, kann es unter Umständen zu Verdichtungen kommen – auf ein angemessenes Mischungsverhältnis zu achten, schadet in diesem Fall dann nicht oder man lockert den Sand-Mix von Hand immer mal ein wenig auf. › mehr dazu lesen…

Mythos 7: Die Fische passen sich der Aquariengröße an
Daß sich Fische der Aquariengröße anpassen, also daß große Fischarten in kleinen Becken nicht so enorm heranwachsen, dürfte wohl der älteste Mythos überhaut sein. In Gesprächen um die geeignete Aquariengröße werden dann gerne noch die Begriffe Kümmerwuchs, Messerrücken sowie Verkrümmung der Wirbelsäule verwendet.

Fische passen sich jedoch nicht der Aquariengröße! Manche wachsen vielleicht etwas langsamer, erreichen aber trotzdem über kurz oder lang ihre Größe, wobei es dabei sicher auch nicht (alleine) an der Aquariengröße liegt. Wenn dann würden die Zuchtgegebenheiten sowie die Einrichtung, Struktur und Vergesellschaftung, die allgemeine Pflege, die Wasserwerte inklusive der Temperatur und Strömung und vorallem die Fütterung (Futterart und Qualität) ins Auge fassen, denn all diese Parameter können in ungünstigen Fällen durchaus zu Wachstumstörungen und (streßbedingten) Krankheiten bis hin zu frühzeitigen Ausfällen führen.

Unter diesem Mythos würden wir zudem noch die oft angebotenen „Zwergzuchten“ unter anderem von Skalaren und Prachtschmerlen abheften.

Mythos 8: Kleine Becken sind unkontrollierbar und instabil
Nimmt man das Wasser ansich sowie die natürlichen Prozesse, welche unter anderem durch (Nutz-)Bakterien, Kleinstlebewesen, Algen, Pflanzen und dergleichen so ablaufen, dann ist das in einem Schnapsglas auch nicht anders als in einem Bach, See oder wie auch immer. Demnach ist ein Nanoaquarium nicht unbedingt schwieriger als ein großes Becken. Der Unterschied ist in unseren Augen lediglich der, daß ein größeres Becken kleinere Pflegefehler eher mal verkraften kann – z.Bsp. wenn mal etwas zuviel gefüttert wurde oder einem die Futterdose ins Wasser gefallen ist.
wird fortgesetzt…
Nächste Themen:

  • Meine Fische fühlen sich sehr wohl – die vermehren sich sogar
  • Die Fische, Garnelen etc. kann man in Leitungswasser halten
  • Wasser aus laufenden Becken verkürzt die Einlaufzeit